:D Ghana-Basics ;-)

Da es nichts wirklich „Neues“ zu berichten gibt, möchte ich euch heute ein paar grundlegende Sachen erzählen:

1. Wetter
Entgegen meiner Erwartungen ist es hier nicht die ganze Zeit nur heiß. Morgens hat es so um die 20 Grad schätzungsweise (ein Thermometer habe ich bisher noch nicht gesehen…), nachmittags wird es dann meistens schon richtig heiß (zwischen 25 und 30 Grad – meine Schätzung) und abends kühlt es dann aber immer ab. Wir befinden uns gerade in der Regenzeit. Das heißt, es regnet mittlerweile fast täglich und das relativ stark. So schüttet es dann mal eine halbe Stunde, mal aber auch 2 Stunden. Regen heißt in Ghana, das danach die Straßen eine Weile so gut wie nicht mehr begeh- oder befahrbar sind, da sie sich in Flüsse und Bäche verwandelt haben, was wiederum bedeutet, dass man bei Regen erstmal daheim bleibt und alles Vorgehabte vergisst 😉

2. Essen
Zum ghanaischen Essen kann man vor allem zwei Sachen sagen: Es ist (fast) alles sehr fettig und scharf.
Da ich in einer Gastfamilie lebe, genieße ich täglich ghanaisches Essen. So gibt es meistens Reis mal mit ’tomato-’, mal mit ’vegetable stew’, und so gut wie immer mit Hähnchenfleisch oder Fisch. Manchmal gibt es auch Yam (ähnlich wie Kartoffeln), ebenfalls mit irgendwelchen Soßen. Immer wieder gibt es Spaghetti mit angebratenen Karotten, ’sausages’ und ’garden eggs’ (schmeckt wie Paprika). Das Essen ist echt superlecker und mein Magen verträgt bisher auch alles bestens, darüber bin ich echt froh!

3. Familie
Der Begriff „Familie“ kann in Ghana nicht so verstanden werden wie der der deutschen Familie. Im Haus meiner Gastfamilie wohnen zur Zeit zum Beispiel 3 Töchter von Geschwistern meiner Gasteltern (also Nichten) und ein Mädel, das sie von der Gemeinde kennen. Doch alle sagen „Mum“ und „Dada“ (= Papa). Das ist für mich noch ein bisschen gewöhnungsbedürftig und es hat erstmal auch zwei Wochen gebraucht, bis ich jetzt endlich mal alle Namen den richtigen Gesichtern zuordnen kann und zudem noch weiß, wer hier eigentlich wie mit wem verwandt ist. Es reden auch alle von sich gegenseitig als ’brother’ und ’sister’ auch wenn sie „nur“ Cousine und Cousin sind. Die 5 leiblichen Kinder studieren oder arbeiten auswärts und wohnen so nicht zu Hause, kommen aber immer wieder zu Besuch.

4. Ghanaer
Die meisten Ghanaer sind recht freundlich und grüßen auf der Straße (oder zumindest grüßen sie zurück). ’Welcome’ hört man auch die ganze Zeit, ob ich nach Hause komme oder auf meinem täglichen Marsch durch’s Wohngebiet, stets werde ich gefragt „How are you?“ oder willkommen geheißen.
Die Kinder, denen ich jeden Tag auf dem Weg in die Schule, nach Denchemouso oder sonst wo hin begegne, sind echt witzig. Sobald sie mich erblicken, fangen sie an in voller Lautstärke ’Obrooooooni!!!’ zu schreien und das hält dann an, bis ich an ihnen vorbei gelaufen bin. Jetzt schreien sie ’Obroni, byebye!’ entweder bis sie mich nicht mehr sehen oder ich mich noch oft genug umgedreht und gewunken habe.
Etwas nervig dagegen ist das Zzzzz. Ghanaer zischen einfach unglaublich gerne. Ob weil sie etwas verkaufen wollen, du einfach nur zu ihnen schauen sollst oder aus irgendeinem anderen Grund, Zischen hört man es die ganze Zeit und egal wo man gerade ist.
Aufgrund unserer Hautfarbe müssen wir auch ständig aufpassen, dass wir nicht verarscht werden, denn da ’Obronis’ ja reich sind, verdoppeln viele einfach mal den Preis für alles – so kostet ein Brot dann mal 7 Cedis, anstatt nur wie sonst immer 3 Cedis ;-).
Gewöhnungsbedürftig ist auch, dass jeder dein Freund sein und von dir nach Deutschland mitgenommen werden möchte. Die Meisten stellen sich das Leben in Deutschland total einfach und paradiesisch vor.
Und noch etwas: Ghanaer machen total oft NICHTS. So wird auf alles unglaublich lange gewartet und das stört hier auch keinen. Auch wird sich, wenn man das Bedürfnis eines Nickerchens verspürt, einfach mit dem Kopf auf den Tisch, auf die Bank in seinem Laden, oder auf den Boden gelegt und dann geschlafen. So sieht man wo man auch hinkommt (vor allem in der Mittagshitze) Leute liegen und vor sich hin dösen.

5. Schule
Über die Schule hier habe ich ja schon einiges berichtet…
Im Allgemeinen finde ich es mega anstrengend hier zu unterrichten. Zum einen sind die Klassen viel zu groß, so sitzen dir zwischen 35 und 40 Kids gegenüber. Dazu kommt dann, dass sie es gewöhnt sind für jeden Fehler oder wenn sie laut sind mit dem Stock geschlagen zu werden. Da ich mich weigere sie zu schlagen, habe ich quasi schon verloren und bekomme sie nicht immer leise, wenn ich das gerne hätte. Gebe ich ihnen dagegen eine Aufgabe, die sie in ihrem Heft lösen müssen, sind sie immer total still und konzentriert. Noch dazu kann ich mir die ganzen Namen leider noch überhaupt nicht merken. So weiß ich bisher ca. 5 Namen pro Klasse, was das aufrufen und ermahnen nicht gerade leichter macht ;-).

So, das wär’s für heute =)
Seid ganz <3-lich gegrüßt von eurem ’Obroni’
Eure Anja

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1 Monat Ghana…

Jetzt bin ich schon 4 Wochen in Ghana. Entgegen meiner Erwartungen, die ersten paar Wochen würden nur schleppend vergehen, rast die Zeit schon jetzt 😉
Seit letzten Montag gibt es nun den „richtigen“ Stundenplan. Etwas ungeschickt an ihm ist aber, dass Form 1 (7.Klasse) und Form 2 (8.Klasse) immer gleichzeitig Französisch haben, das heißt ich kann gar nicht beide Klassenstufen unterrichten. Als ich dieses Problem mit der Headmistress bespreche, meint sie nur, es müsse halt ein zweiter ’French-Teacher’ her, dann sei das kein Problem mehr. 😀 sehr gut, dass sie das jetzt nach 3 Wochen „Schule“ auch eingesehen hat ;-). Ich frage, wie ich das dann für die Zwischenzeit machen soll, doch darauf antwortet sie nur, ich solle in die Klasse gehen, auf die ich gerade Lust hätte – 😀 alles klar…
Am Dienstag sollte dann eigentlich der andere Französisch-Lehrer vorbeikommen (hätte nicht gedacht, dass sie so schnell einen auftreiben können). Doch er hat wohl heute was Besseres vor und so warte ich vergeblich den ganzen Vormittag. Immerhin unterrichte ich heute 4 Schulstunden Französisch in zwei verschiedenen Klassen. Während des Rumsitzens und Wartens hatte ich dann noch ne relativ komische Begegnung mit einer Frau. Sie kam her und fragte, ob sie mich was fragen könne – na klar! Und so wollte sie wissen, warum wir ’white men’ keine Narben haben (wo sie das gelernt hat, weiß ich auch nicht), ob wir irgendeine Medizin gegen Narben hätten und was sie denn machen könne, damit Narben weg gehen.
An diesem Nachmittag besuche ich dann noch Mercy, eine „Referendarin“ (in Ghana ist das ein bisschen anders mit dem Lehrer werden…), die am Campus wohnt, auf dem auch das Internetcafé ist. Sie lebt gemeinsam mit 3 anderen Studentinnen in einem verhältnismäßig kleinen Raum. In ihm befinden sich 2 Stockbetten, ein Tisch und ein Schrank. Außerdem gibt es einen kleinen Balkon, auf dem sie kochen. So sieht hier also ein Studentenwohnheim aus…
Den Mittwoch verbringe ich dann, da ich nach Stundenplan heute keine einzige Französisch-Stunde habe, mal wieder mit Warten. Dieses Mal auf die Headmistress, die am Tag zuvor meinte, ich solle heute Morgen gleich wenn ich komme zu ihrer ’Office’ kommen. Doch von ihr fehlt weit und breit jede Spur. Immerhin taucht diesen Morgen der ’French-Teacher’ Frank auf. Nach einstündigem Warten auf den Stundenplan (der dann aber immer noch der selbe ist wie am Tag zu vor, obwohl man mir gesagt hatte, man verändere ihn noch mal), möchte Frank dann, dass ich die Form 1 + eine Klasse der Form 2 übernehme und er 2 Klassen der Form 2 und die Form 3 übernimmt. Also erkläre ich auch ihm, dass ich solange dieser Stundenplan gilt, nicht Form 1 UND Form 2 unterrichten kann… Also muss er vorerst die komplette Form 2 und 3 übernehmen, was ihm nicht wirklich passt ;-).
Die Headmistress kam dann übrigens noch um 13.30 Uhr, worauf sie aber 10 Minuten später die Schule wieder verließ, weil sie so ’tired’ sei.
Diesen Nachmittag verbringe ich mit den anderen 4 deutschen Mädels bei Michael, einem Lehrer der GGS. Er wohnt zusammen mit einem anderen Michael und Frank (nicht der ’French-teacher’ ;-)…) zwischen Denchemouso und Tanoso. Wir kochen gemeinsam den ganzen Mittag. So gibt es zuerst Reis mit ’tomato stew’ (scharfe Tomatensoße), dann frittierte Kochbananen mit ’garry and beans’ und später dann noch mal Reis mit irgendeiner Soße.
Während des Kochens legt’s plötzlich los und schüttet wie aus Kübeln. So einen Regen haben wir in Ghana bisher noch nicht erlebt. Wir sitzen auf der Terrasse des Hauses und beobachten wie die „Wege“ (deutsche Trampelpfade) zu Flüssen werden.
Am Freitag war Feiertag, denn es wäre der Geburtstag des ersten Präsidenten. Das heißt für uns wir haben frei und so entscheiden Lisa Pfeffer und ich einen Ausflug zu machen. Wir gehen also am Freitagmorgen los und fahren über Kumasi nach Obuasi, wo sich eine Goldmine befindet, die man besichtigen kann. Es klappt alles gut und so sind wir schon um 11 in Obuasi, suchen uns ein Hotel für die Nacht und gehen zur Mine. Dort wird uns dann aber erklärt, dass am Feiertag keine Führungen stattfinden =(. Wir sollten am nächsten Tag noch mal kommen. Da Obuasi an sich wirklich hässlich ist und wir dort ohne Mine keinen ganzen Tag bleiben wollen, entscheiden wir uns in das Nachbarörtchen Patakro zu fahren, wo es einen bekannten Schrein (UNESCO-Weltkulturerbe) geben soll, zu dem viele Menschen pilgern um zu beten. Nach einer gefühlten Ewigkeit finden wir dann auch irgendwann das richtige Trotro und erfahren, dass es gar kein Trotro direkt nach Patakro gibt und wir irgendwo in ein Taxi umsteigen müssten. Also steigen wir irgendwo dann vom Trotro ins Taxi. Gerade diese 2 Minuten schüttet es wie aus Kübeln. Also sitzen wir dann letztendlich etwas nass im Taxi nach Patakro. Glücklicherweise sitzt Frank (wieder ein anderer) aus Patakro in diesem Taxi. Nachdem wir zahlreiche Male vom Fahrer und den beiden anderen Mitfahrern gefragt werden, ob wir auch wirklich keine Chinesen seien, erreichen wir Patakro. Später erfahren wir dann, dass hier wohl sonst nur Chinesen herkommen. Patakro ist das wohl afrikanischste Dorf, das man sich vorstellen kann. Abgeschieden von jeglicher Zivilisation führt nur eine Straße ins Dorf und endet dort als Sackgasse. Als wir nach dem berühmten Schrein fragen, guckt man uns erstmal komisch an. Auf jeden Fall ist von „Weltkulturerbe“ nicht allzu viel zu sehen. Frank führt uns zwar zu dem angeblichen Schrein, der aus 4 lebensgroßen Figuren besteht. Im ganzen Dorf stehen außerdem lebensgroße Figuren vermutlich aus Holz, die verschiedene Szenen aus dem Leben Jesu darstellen. Frank erzählt uns, dass die Figuren vor langer Zeit dorthin gebracht worden wären, um der Bevölkerung, die bis zu diesem Zeitpunkt an Geister glaubte, Jesus bekannt zu machen – coole Idee =). Doch die eigentliche Attraktion sind wir. Die Dorfbewohner starren uns an als hätten sie noch nie Weiße gesehen.
Am Samstag gehen wir dann schon um 6.30 Uhr los zur Mine. Dort wird uns dann aber gesagt, dass es heute auch keine Führung gäbe und wir uns hätten schon ein paar Tage vorher anmelden müssen – dumm gelaufen =(.
Also sitzen wir schon um 7.15 Uhr im Trotro zurück nach Kumasi.
Am Sonntag wollen wir dann theoretisch um 7.30 Uhr zur ’English Assembly’ der Kirche. Blöd nur, dass es um 7 Uhr anfängt zu regnen und wenn es regnet verlässt in Ghana keiner das Haus. Mein Gastvater erklärt mir: „If God wants us to pray in church today, he will stop the rain!“ 😀 das ist ja mal ne Einstellung…
Es hört leider erst um 8.30 Uhr auf zu regnen und da der Gottesdienst nur bis 9 Uhr geht, gehen wir jetzt nicht mehr. Eigentlich hieß es dann wir gingen zur ’Twi-Assembly’ um 10 Uhr. Doch da es dann wieder anfängt zu regnen, macht keiner Anstalten zu gehen. Also heute kein Gottesdienst.
Am Sonntagnachmittag verlassen uns dann zwei meiner Gastgeschwister Battista und Apos, da sie von nun an in Kumasi studieren werden. Doch es gibt seit gestern ein neues Gesicht hier: Christiana, auch eine Nichte, die hier bis Oktober oder November wohnen wird. Wir wohnen jetzt hier also im Moment zu sechst.
Seit Montag ist die Schule nun etwas interessanter. Ich setze mich mittlerweile einfach nach jeder Französisch-Stunde zu einem anderen Lehrer-Grüppchen, das gerade auch nichts zu tun hat, und dann reden wir, ’teachen’ sie mich Twi oder ich sie deutsch und so ist es ganz witzig und die Zeit vergeht nicht mehr ganz so langsam. Außerdem haben wir heute (Dienstag) 28 Französisch-Bücher gefunden, die zudem noch brauchbar sind. So kann ich jetzt meine Form 1 sogar MIT Büchern unterrichten =). Normalerweise haben die Schüler für kein einziges Fach ein Buch. Der Lehrer hat jeweils eins, und das war’s dann auch schon. Wenn sie ein Buch haben wollen müssen sie es sich auf dem Markt oder irgendwo anders selber kaufen. Also ist der „Klassensatz“ (zumindest reicht es wenn 2 Schüler zusammen in ein Buch schauen) French-Books eine echte Ausnahme!

Ich hoffe euch geht’s auch gut?!?!?
Bin in Gedanken oft bei euch =)

Eure Anja

Erster Unterricht + erster Ausflug =)

So, es ist mal wieder an der Zeit für einen Blogeintrag 😉
Vor einer Woche hätte eigentlich der Unterricht beginnen sollen. Doch in Wirklichkeit wird in der Junior High School (JHS) erst seit Donnerstag unterrichtet und das auch nur mit einem halb-improvisierten bzw. noch nicht vorhandenen Stundenplan. Das heißt manchmal hat eine Klasse „richtig“ Unterricht und es ist auch ihr Lehrer im Klassenzimmer, doch meistens sitzen sie einfach nur so im Klassenzimmer und tun nichts, weil der Lehrer einfach nicht kommt. Mich erstaunt, dass es trotzdem verhältnismäßig ruhig ist im Schulhaus.
Zum Glück verläuft der Unterricht der Primary School etwas geordneter. Dort gibt es schon seit Montag Stundenpläne für jede Klasse und es wird auch nach diesem unterrichtet. So kann ich zumindest dort beim Unterrichten zuschauen und ein bisschen helfen. Am Mittwoch verbringe ich fast den ganzen Schultag in einer der beiden 6. Klassen (Grundschule geht hier bis zur 6. Klasse) und erlebe so Englisch, I.C.T. (Computer…) und Mathe. Entsetzt bin ich, dass es hier normal ist die Kinder mit einem Stock zu schlagen. In Mathe halte ich es fast nicht aus es mit anzuschauen. Die Schüler müssen einzeln jeweils eine Aufgabe des kleinen Einmaleins rechnen und für jedes falsche Ergebnis gibt’s zwei Schläge mit dem Stock auf die Hand. Die Kinder zittern so vor Angst, dass sie sich gar nicht konzentrieren und überlegen können und die unlogischsten Antworten geben.
Traurig ist, dass die Kinder hier so an die Schläge gewöhnt sind, dass sie sich in der Pause, wenn ihnen was an ihren Mitschülern nicht passt, auch den Stock schnappen und sich gegenseitig damit schlagen.
Den Donnerstag verbringe ich dann größtenteils in einer dritten Klasse, weil die Lehrerin unbedingt möchte, dass ich ihren Unterricht besuche :D. Die Klasse besteht aus 60! Schülern, die zusammengepfercht sind in einem viel zu kleinen Klassenzimmer, das zudem noch mangels genügend Fenster dunkel ist und zahlreiche Löcher im Wellblechdach hat. Später erzählt mir die Lehrerin dann, dass sie 8 Jahre in Großbritannien gelebt und unterrichtet hat. „We don’t care about the children in Ghana!“, sagt sie immer wieder und meint damit, dass das ganze Schulumfeld nicht dazu da ist die Kinder beim Lernen zu unterstützen, sondern dass es sie eher noch davon abhält lernen zu können. So sind die Klassen viel zu groß um sich um den einzelnen Schüler kümmern zu können, der Raum viel zu eng und noch dazu wird das Essen, das die Kids um kurz vor 12 essen, schon um ca. halb 10 geliefert – ist also kalt und zudem noch viel zu wenig, als das davon 60 Kinder satt werden könnten. Sie erzählt mir, dass sie sich immer wieder dafür einsetzt, dass sich an der derzeitigen Situation etwas ändert, doch sobald man Missstände anspricht wird man zum Buh-Mann und verändert wird trotzdem nichts. Ich weiß gar nicht was ich sagen soll, denn eine ghanaische Lehrerin, die sich so offensichtlich um das Wohl der Kids bemüht, ist mir bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht begegnet – ich bin positiv überrascht =)
Um 11.30 Uhr werde ich dann von einer Schülerin abgeholt (die Lehrer schicken hier für alles ihre Schüler), da mich meine Gastmutter holen lässt, weil alle Lehrer der JHS nun ein ’Meeting’ haben. Dort werden die Probleme der Schule diskutiert und nach möglichen Lösungsvorschlägen gesucht. Angeblich hat die Schule einen relativ schlechten Ruf, da sie die einzige staatliche Schule in Tanoso ist und auf eine staatliche Schule nur die gehen, die zu ’dumm’ oder zu arm sind für eine Privatschule. Nach 3 einhalb Stunden ’staff meeting’ sind dann endlich alle Probleme angesprochen und die Lehrer auf die einzelnen Fächer der Klassen verteilt (und das 2 Wochen nach Schulbeginn :D..) Komisch ist nur, dass wir insgesamt 24 Lehrer/innen für 3 Klassenstufen und insgesamt 9 Klassen sind und so manchen (aus welchen Gründen auch immer) kein Fach zugeteilt wird. Da die JHS zur Zeit keinen ’French teacher’ hat, werde ich diese Aufgabe nun erstmal für die Klassen der Form 1 und 2 (entspricht 7. und 8. Klasse) übernehmen, bis die Rektorin einen Lehrer findet. Und da wir in Ghana sind, wird das bestimmt nicht so schnell geschehen ;-).
Am Freitag gebe ich dann meinen ersten Französich-Unterricht. Ganz schön tricky eine Fremdsprache (Französisch) auf einer anderen (Englisch) zu unterrichten. Noch dazu sagt der improvisierte Stundenplan, dass ich heute insgesamt 4 Schulstunden (also zwei Stunden) in der gleichen Klasse Französisch unterrichten soll. Mein Plan erstmal viel mündlich zu machen geht leider nicht auf, da es die Schüler hier nicht gewöhnt sind, irgendwas eigenständig zu machen oder dass es während des Unterrichts erlaubt ist mit seinem Banknachbar zu reden. Mein Englisch verstehen sie auch nicht wirklich, so wird zwar auf jede meiner Fragen mit „Yes, Madame!“ geantwortet, doch verstanden haben sie meist erst auf’s dritte Mal, was ich von ihnen möchte. Ich bin gespannt, ob ich sie innerhalb der nächsten 6 Monate dazu bewegt kriege, selber zu denken und eigenständig etwas zu erarbeiten, denn hier wird fast ausschließlich frontal unterrichtet. Heißt: der Lehrer steht vorne, schreibt etwas an die Tafel, das dann abgeschrieben wird, dann fragt er eine Frage, auf die der Schüler exakt das antwortet, was an der Tafel steht und dann fragt der Lehrer ob alles klar ist und die Schüler schreien „Yes, Sir/Madame!“.
Am Samstag hatten wir (Carmen, Jenny, 2x Lisa und ich) geplant zum Bosumtwi-See zu gehen und dort den Tag zu verbringen. Der Wasserpegel des Sees stieg jahrelang an und überschwemmte viele Dörfer, obwohl es weder einen Ab- noch einen Zufluss gibt. Scheinbar ist er durch einen Meteoriteneinschlag vor ca. 1 Mio. Jahren entstanden.
Um 7.30 Uhr bin ich also losgelaufen in Richtung Denchemouso zu den anderen. Noch brauche ich 20 Minuten von meiner Gastfamilie nach Denchemouso, aber ich bin optimistisch, dass ich irgendwann noch einen kürzeren Weg finde (probiere jedes Mal einen neuen Weg aus). Wir fahren also nach Kumasi, wo wir ewig den Platz suchen, wo das Tro-Tro nach Abono (Städtchen am See) losfahren soll. Wir fragen uns durch und kommen schließlich an den richtigen Platz, wo aber schon eine Schlange von ca. 30 Leuten wartet, die alle auch noch Abono wollen. Bis um 10.30 Uhr passiert erstmal gar nichts. Die Schlange wird nicht kürzer und von dem Tro-Tro fehlt auch jede Spur. Dann geht plötzlich alles ganz schnell. Dank einer sehr netten Ghanaerin rennen wir zu einem anderen Platz, da dort anscheinend ein Tro-Tro nach Abono losfahren soll. Und tatsächlich erwartet uns ein leeres Tro-Tro. Nach eineinhalbstündiger Fahrt erreichen wir dann endlich unser Ziel: Abono am Lake Bosumtwi. Dort werden wir nun erstmal in die ’Office’ geschickt, wo wir uns in ein Besucherbuch eintragen sollen und uns einiges über den See und seine Geschichte erzählt wird. Mit der Ausrede (die aber wahr war) auf’s Klo zu müssen, konnten wir dann letztendlich entkommen. Kurz darauf wurden wir aber schon wieder aufgehalten, denn einer meinte, wir müssten unbedingt 10 Cedi für irgendein Projekt spenden. Erst nachdem Jenny ihm klargemacht hat, dass spenden FREIWILLIG ist und es nicht besonders freundlich ist, Touristen zu zwingen Geld für alles zu zahlen, entschuldigt er sich und lässt uns ziehen. Wir finden ein nettes Plätzchen am Strand eines Hotels und dort verweilen wir dann bis 16 Uhr. Blöderweise müssen wir auf der Rückfahrt sowohl in Kuntanase (Ort in der Nähe des Sees), als auch in Kumasi jeweils 1 Stunde auf ein Tro-Tro warten. In Kumasi entscheide ich mich dann nicht mehr mit den anderen nach Denchemouso zu fahren, weil ich sonst im Dunkeln allein 20 Minuten nach Hause laufen müsste, sondern das erste Mal allein, als einziger ’Obruni’ im Tro-Tro, direkt nach Tanoso zu fahren. Also stelle ich mich in die Schlange für das Tro-Tro nach Tanoso, die aus mindestens 40 Leuten besteht, und warte. Irgendwann erklärt mir ein Ghanaer, dass die Schlange eigentlich keine Funktion hat, denn hier kommt der Stärkere zuerst dran und nicht der Vorderste. Nach einstündiger Wartezeit und nachdem sich zahlreiche Ghanaer „vorgedrängelt“ haben, also „stärker“ waren als ich ;-), kämpfe ich mich dann durch (bzw. werde in ein Tro-Tro geschoben und gedrückt) und ergattere einen Platz. Ich bin entsetzt mit welcher Brutalität hier vorgegangen wird. Auf dem Weg zum Tro-Tro wird eine Frau umgerannt, aber anstatt ihr wieder aufzuhelfen, wird sie einfach liegen gelassen, um ja noch einen Platz erkämpfen zu können. Gott sei Dank komme ich um 20.30 Uhr ohne weitere Zwischenfälle in Tanoso an. Meine Gastfamilie erwartet mich schon, ich bekomme eine Portion Spaghetti mit angebratenen Karotten, Zwiebeln, Paprika und Würstchen und erzähle von meinen heutigen Erlebnissen.
Am Sonntag war ich dann das erste Mal in der ’English Assembly’ der Kirche meiner Gastfamilie, aber davon erzähle ich euch ein anderes Mal 😉

Seid ganz <3-lich gegrüßt
Eure Anja

P.s.: Leider gestaltet sich das Fotografieren noch etwas schwierig, da die meisten Menschen hier nicht auf Bildern sein möchten, da sie nicht wollen, dass man sich in Deutschland über sie und ihre ärmeren Lebensverhältnisse lustig macht… So habe ich bisher fast nur Bilder ohne Menschen…

Endlich angekommen in meiner Gastfamilie =)

Hallo ihr Lieben =)

Mittlerweile bin ich gut angekommen in meiner Gastfamilie. Letzten Dienstag (also doch ’ghanaian time’ 😉 – so wird aus dem Montag der Dienstag…) Abend war es endlich so weit. Es gab wohl mit den letzten Volunteers, die in dieser Familie gelebt haben einige Probleme und deshalb waren sich die Eltern unschlüssig, ob sie noch mal jemand Deutsches aufnehmen sollen. So fuhr ich am Montagabend mit dem Schulleiter der GGS, der (theoretisch) für uns verantwortlich ist, und Jeff, einem anderen Mitglied des Deutsch-Ghanaischen Freundschaftskreis (DTGHF), über den ich hier in Ghana bin, zu der Familie, damit sie entscheiden konnten, ob sie mich aufnehmen wollen oder nicht. Sie entschieden sich dazu mich am nächsten Tag zu empfangen =) *puh*. Auf der Heimfahrt wurde mir dann nahegelegt, mich anständig zu benehmen, weil sie sich dort sonst nicht mehr blicken lassen könnten und nie wieder Deutsche aufgenommen werden würden.
Wieder in Denchemouso angekommen bereute ich es dann, dass ich morgens voller Optimismus montags in die Family zu kommen, alle meine Sachen eingepackt hatte. So musste ich jetzt ohne Licht, da (wie bis jetzt jeden Abend) ’lights out’ also Stromausfall herrschte, die nötigsten Sachen wieder auspacken, damit ich noch eine letzte Nacht bei den anderen am Campus schlafen konnte.
Doch am Dienstagabend war’s dann endlich soweit und ich wurde mit meinen ganzen Habseligkeiten von einem Taxi zu meiner Gastfamilie gefahren. Leider war wieder Stromausfall, so konnte ich nicht mehr auspacken. Wir saßen dann noch einige Zeit zusammen im Wohnzimmer und unterhielten uns. Die Familie ist echt mega nett. Sie haben 5 „Kinder“, wobei die jüngste 19 ist und zwei schon nicht mehr zuhause wohnen, da sie studieren. So darf ich im Zimmer des Sohnes wohnen, der auswärts studiert. Mein Zimmer besteht aus einem riesigen Bett, einem Schrank und einem nicht-funktionierenden Ventilator. Der erste Schock folgte dann noch sofort am ersten Abend. Als ich nach dem ’bathroom’ fragte wurde mir erklärt, es gäbe kein fließendes Wasser. Für mich verwöhnte Deutsche echt ne krasse Umstellung. Wann immer man Wasser braucht, ob für die Klospülung (offener Spülkasten, in den man einen Eimer Wasser schütten und dann an einem Haken ziehen muss), um sich zu waschen, zum Zähneputzen oder zum Kochen, muss man es aus dem Brunnen im Garten holen. Doch mittlerweile hab ich mich ganz gut damit arrangiert und spucke nun halt auch meinen Zahnputzschaum in den Garten, „dusche“ mit einem Eimer voll Wasser und entsorge das benutzte Klopapier in einem Mülleimer anstatt im Klo.
Etwas gewöhnungsbedürftig ist dagegen, dass man hier zum einen zu sehr interessanten Zeiten isst und zum anderen, dass jeder mit seinem Teller irgendwohin sitzt und dann dort isst. Die Ghanaer gehen normalerweise ohne Frühstück aus dem Haus, doch da ich immer zu früh fertig zum Gehen bin, bekomme ich meist Brot und Kaba (Milo heißt der hier – Pulver, das in heißes Wasser gekippt wird). Um 15 Uhr gibt’s dann Mittagessen – meistens Yam (schmeckt wie Kartoffeln) mit irgendwelchem Gemüse. Und um 17 Uhr gibt’s dann schon wieder Abendessen – ebenfalls warm. Bis jetzt entweder Reis mit irgendeiner Soße oder Fufu (von der Konsistenz her wie Kartoffelbrei – aus Kochbananen und etwas ähnlichem wie Yam). Da ich hier Gast bin wird mir immer eine extragroße Portion rausgeschöpft und behauptet, das sei gar nicht viel… 😉 Obwohl mir ans Herz gelegt wurde, beim Abspülen, Kochen,… zu helfen, wird sobald ich frage, ob ich was helfen kann, abgelehnt. Ich hoffe das ändert sich noch. Doch mein Gastvater erklärte mir, im Haus sei es oft ’boring’ (langweilig) und so brauche ich mich nicht zu wundern, wenn sie mich nichts helfen lassen, da das ihre einzige Beschäftigung ist…
Am Dienstag war Schulbeginn. Das heißt in Ghana aber nicht, dass mit dem Unterrichten angefangen wird, sondern, dass erstmal 4 Tage lang (von 7.30 – 14 Uhr) das komplette Schulgelände geputzt wird. Soll heißen die Lehrer geben den Schülern Anweisungen, was sie zu tun haben (Bänke oder Boden putzen, Rasenmähen mit Messern, Garten umgraben,…) und chillen dann im Lehrerzimmer. Das Lehrerzimmer besteht aus 4 Holztischen und unzähligen Plastikgartenstühlen. Am Mittwoch und Donnerstag haben wir stundenlang im Lehrerzimmer über einen Laptop eine mexikanische Telenovela (auf spanisch mit englischem Untertitel) angeschaut und ansonsten sitzt jeder irgendwo und starrt Löcher in die Wand.
Am Samstag hat mich meine Gastfamilie zu einer Hochzeit in ihrer Kirche (Church of Pentecost) mitgenommen. Leider war das Meiste auf Twi, aber interessant war’s trotzdem =) Vom Aufbau her verläuft eine Hochzeit hier eigentlich ähnlich wie in Deutschland. Nur ist alles viel lauter und lebendiger – soll heißen, es wird lautstark gesungen, gebetet (jeder betet laut(!) vor sich hin) und durch die Gegend getanzt. Laut Liedblatt fing die Hochzeit um 9 Uhr an, wir waren um kurz nach 10 dort und da war noch nicht wirklich viel los. Mir wurde ein Platz in der zweiten Reihe zugewiesen und blöderweise waren überall Leute mit Fotos und Kameras, die meinten, der ’Obruni’ (also ich) müsste unbedingt überall drauf sein. So wusste ich leider nicht wirklich, wie ich mich verhalten sollte, da ich ja nicht verstand, was sie redeten… Um 12 Uhr gingen wir dann wieder heim, weil mein Gastvater Hunger hatte, obwohl die Hochzeit noch in vollem Gange war – Ghana halt 😉
Am Sonntagmorgen sind wir dann zum Gottesdienst wieder in die Kirche gegangen. Eigentlich sollte ich zur ’English Assembly’ gehen, doch diese fand nicht statt, da ’Children’s Day’ war. Das heißt, dass die ’Sunday Schools’ (entspricht unserer Kinderkirche) den Gottesdienst für die Gemeinde mitgestalten, indem sie singen, tanzen, ein Anspiel machen,… Leider war wieder alles auf Twi, aber zum Zuschauen war’s trotzdem echt interessant.
Irgendwann wurde ich nach vorne gebeten, um mich vorzustellen. Völlig überrumpelt sagte ich ein paar Sätze auf Englisch, die meine Gastmutter dann auf Twi übersetzte. So bin ich jetzt auf jeden Fall der ganzen Gemeinde bekannt 😉
Ich bin echt froh, dass ich schon 2 Wochen, nachdem ich hier angekommen bin, eine Gemeinde „gefunden“ habe und hoffe, dass die ’English Assembly’ auch so lebendig und ghanaisch ist, ich mich dort schnell eingewöhne und ein Teil der Gemeinde werde =)

Atschire (sprich: Atschäää) – bis bald =)
Eure Anja

There’s no hurry in life!

Seit dem letzten Blogeintrag sind nur 3 Tage vergangen, aber wir erleben hier gerade so viel Neues und Ungewohntes, das ich euch unbedingt mitteilen will, dass nun schon der nächste kommt 😉

Am Freitag Abend wollten wir auf ein Konzert nach Kumasi, weil dort eine Band auftrat, die Carmen kennt und gut findet. Außerdem erlebten wir so Ghana endlich auch mal bei Nacht. Bisher waren wir ab Anbruch der Dunkelheit immer in oder vor unseren Zimmern, weil zu dieser Zeit 1. die größte Gefahr besteht, von einer Malaria-Überträger-Mücke gestochen zu werden und 2. die meisten anderen Ghanaer in unserem Dorf auch in ihr Zuhause gehen. Dunkel wird es hier übrigens schon um 18.30 Uhr, das heißt hier ticken die Uhren doch etwas anders. Wann es wirklich hell wird, kann ich euch gar nicht sagen, aber ab 6 Uhr sind zumindest viele Ghanaer auf und das Dorfradio (Lautsprecher, die das ganze Dorf beschallen) läuft auf Hochtouren. Was wiederum bedeutet, dass die Nachtruhe dann beendet ist. Für mich doch eine relativ krasse Umstellung, da ich daheim immer eher spät ins Bett gegangen und dafür auch (zumindest für die hiesigen Verhältnisse) spät aufgestanden bin.

Um 13.30 Uhr sind wir dann am Freitag losgegangen zum Cultural Centre in Kumasi, wo das Konzert stattfinden sollte, damit wir und das ganze Zentrum noch ein bisschen anschauen konnten. Angenommen hatten wir, dass wir für die Fahrt nach Kumasi (inklusive umsteigen von Taxi in Tro-Tro) mindestens eine Stunde unterwegs sein werden. Doch dem war nicht so, weil die Route des Taxifahrers, der uns ab Denchemouso mitnahm praktischerweise sowieso zum Cultural Centre ging. So nahm er uns dorthin mit, worauf wir schon nach einer halben Stunde angekommen sind.

Wir aßen zu Mittag in einem Restaurant dort auf dem Gelände und ich aß zum ersten Mal Fufu, das Nationalgericht Ghanas. Fufu ist so ein Brei aus Yam und schmeckt ähnlich wie Kartoffelbrei. Dazu gibt es Hähnchenschlegel und Soße. Gegessen wird mit der rechten (!) Hand, indem man mit der Handfläche eine Schüssel formt und dann mit Daumen, Zeigefinger und Ringfinger ein bisschen Kartoffelbrei aufnimmt. Es hat wirklich sehr lecker geschmeckt, nur leider war es mega scharf, aber das hat das ghanaische Essen so an sich ;-).

Anschließend schauten wir uns die ganzen Handwerksläden des Cultural Centres an. Von afrikanischen Masken, über Trommeln und Gemälden, gibt es hier eine riesige Auswahl an Souvenirs.

Das Konzert sollte laut Plakat um 6 pm beginnen. Wir also um 17.45 Uhr mit deutscher Pünktlichkeit hin, worauf wir die Organisatoren beim Aufbau und Soundcheck antrafen. Nachdem uns dann ein Ghanaer einen kurzen Twi-Sprachkurs erteilt hatte und sich einige andere mit uns unterhalten hatten, erfuhren wir dann, dass es erst ’around 8 o’clock’ starten sollte. Tatsächlich beginnt die Talent-Show ’Big In Ghana’ dann um 20.45 Uhr. An die ’ghanaian time’, das heißt, dass alles mindestens eine Stunde später beginnt, als angekündigt, müssen wir uns erst noch gewöhnen. Doch hier ist es völlig normal, dass man eben wartet und wartet und wartet, denn es haben auch alle Zeit. Unser Reiseführer sagt zum Lebensmotto der Ghanaer: „There’s no hurry in life!“.

Nacheinander kamen verschiedene Talente, die eigentlich schon die Besten aus einigen Vorentscheidungen sein sollen auf die Bühne und zeigen ihr Können. Danach spielte die Band dann noch einige Lieder, worauf plötzlich ’lights out’, also Stromausfall, herrschte. Es ist mittlerweile 23.30 Uhr und der erwartete Act ist noch nicht aufgetreten. Immerhin wurden wir dann Backstage (auf der Wiese hinter der Bühne) erwartet, weil wir extra für diese Gruppe so lange gewartet hatten und Carmen Fan sei. Um 0.30 Uhr ging der Strom dann endlich wieder und sie konnten doch noch auftreten.

Für uns ging es dann aber kurze Zeit später in einem Taxi nach Hause. Und diese Taxifahrt war auch ein Abenteuer für sich. Der Taxifahrer fuhr nicht nur sehr gewöhnungsbedürftig (er ließ kein Schlagloch aus und das bei für ghanaische Straßen hoher Geschwindigkeit), sondern verfuhr sich auch noch. In Kwadaso, einem Nachbarort von Denchemouso sagte er, wir seien angekommen, doch wir waren uns sicher, dass wir dort noch nie waren.

Jenny meinte dann: „Denchemouso!”, worauf der Taxifahrer: “Oh, Denchemoooooso!” Wohlbehalten kamen wir dann kurze Zeit später in Denchemouso an und mussten nur 2 Cedis (ca. 1€) pro Person zahlen, obwohl uns mittags versichert wurde, abends sei es teuer.

Gestern habe ich dann das erste Mal meine Wäsche von Hand (!) gewaschen. Ich hätte es mir ehrlich gesagt schlimmer vorgestellt, aber so den richtigen Dreh, wie man mit kaltem Wasser und etwas Waschpulver Flecken aus den Kleidungsstücken bekommt, habe ich noch nicht raus. Naja, immerhin riecht jetzt alles frisch gewaschen und ich habe ja noch eine Weile Zeit zum Üben. Die Ghanaerinnen waschen ihre Wäsche noch mit Kernseife und rubbeln sie solange, bis sie sauber ist, aber das ist mir dann doch zu anstrengend.

Ich lebe übrigens immer noch am Campus, doch voraussichtlich komme ich am Montag in meine Gastfamilie. Aber ob ’ghanaian time’ oder ’german time’ – das werde ich wohl dann erst erfahren ;-).

Auf jeden Fall wird am Dienstag die Schule beginnen (zumindest, wenn Schüler kommen) und da bin ich schon echt gespannt drauf.

 

Ganz liebe Grüße aus dem warmen Ghana (heute war der erste Tag, an dem es so bewölkt war, dass die Sonne gar nicht rausgeschaut hat)

Eure Anja

Akwaaba – Willkommen in Ghana =)

4 Tage sind nun vergangen, seit wir in Ghana angekommen sind und es ist schon einiges passiert.

Am 26. ging es für mich um 5.30 Uhr mit meinem Papa und unserem Auto los in Richtung München, wo wir uns um 8.30 Uhr mit den andern am Flughafen trafen. Insgesamt sind wir 5 Mädels, die an verschiedenen Schulen in zwei Ortschaften, die ca. 1,5km auseinander sind, arbeiten werden. Die Blogs der anderen 4 könnt ihr auch gerne lesen, dann lernt ihr noch mehr Facetten von Ghana kennen.

Nach einmal „umsteigen“ in Istanbul stiegen wir dann am Sonntag Abend um ca. 20 Uhr (deutsche Zeit: 22 Uhr) in Accra, der Hauptstadt von Ghana, aus dem Flugzeug. Etwas verwundert war ich über das doch recht milde und gar nicht so schwüle Klima wie erwartet.

Nach dem Anstehen am Immigration Schalter fanden wir dann nach einiger Zeit (trotz falscher Ausschilderung) das Gepäckband, auf dem alle Gepäckstücke vom Flug aus Istanbul sein sollten. Doch leider fehlten 2 Gepäckstücke. Zum einen ein Beamer für die Schule und zum anderen mein 30 Liter Rucksack.

Also stellten wir uns am Lost&Found-Schalter an, worauf man uns erst einmal warten ließ um uns dann irgendwann mitzuteilen, dass die zwei Sachen noch in Istanbul seien. Der nächste Flieger würde am Montag Abend landen, da könnten wir unsere Sachen dann abholen.

Nachdem das geklärt war, ging es für uns dann erstmal in ein Hotel in Accra, wo wir relativ erledigt gleich ins Bett fielen. Inzwischen war es 24 Uhr (deutsche Zeit: 2 Uhr).

Am nächsten Morgen wurden wir dann von Kekey, dem Sohn von Albert, abgeholt und in sein Haus zum Frühstücken gebracht. Danach ging es mit dem Auto quer durch Accra zum Busbahnhof.

Uns erwartete eine knapp 5-stündige Busfahrt nach Kumasi, der zweitgrößten Stadt Ghanas, in einem so klimatisierten Bus, dass wir tatsächlich langärmlig da saßen und das bei einer Außentemperatur von schätzungsweise 28°C.

Am Busbahnhof in Kumasi wurden wir dann nach einigen Telefonaten und einstündiger Wartezeit vom Direktor der Ghanain-German-School (GGS) abgeholt. In einem mit 10 Koffern und Rucksäcken (+ Handgepäck) und 7 Personen befüllten Opel Astra geht es nun nach Denchemouso, wo sich Schule befindet.

Dort angekommen werden wir dann noch kurz eingewiesen, dass für Lisa, Jenny und mich die Schule am 4. September beginnt und Carmen und Lisa bis zum 16. September frei haben.

Danach können wir die zwei, für uns Volunteers vorgesehenen, Zimmer beziehen.

Da ich im Nachbarort Tanaso arbeiten werde, bin ich eigentlich in einer Gastfamilie untergebracht. Doch da ist wohl noch nicht alles geklärt und so wohne ich jetzt für die erste Zeit mit den andern am Campus.

Denchemouso besteht eigentlich aus einer Hauptstraße mit unzähligen Ständen zum Essen kaufen und einigen Abzweigungen, die ich aber noch nicht erkundet habe.

Am Dienstag hat uns Matthias, der das letzte halbe Jahr hier in Denchemouso verbracht hat, das Internetcafé (von dem aus ich das hier schreibe) und einiges anderes in Tanaso gezeigt.

Gestern waren wir dann in Kumasi. Dort gibt es den zweitgrößten Markt in Westafrika, der aus vielen Blechhütten besteht. Doch bis ich das System wo was verkauft wird verstanden habe, wird es wohl noch einige Zeit dauern… 😉

Und heute Morgen nach einigen Schwierigkeiten und Telefonaten fuhr ich mit dem Direktor der GGS erneut nach Kumasi um meinen Rucksack, den Kekey mittlerweile vom Flughafen abgeholt und mit dem Bus nach Kumasi geschickt hat, abzuholen. Nach 3-stündigem Hin-und-her-steigen von einem Taxi in ein anderes oder in ein Tro-Tro sind wir dann wieder zurück in Denchemouso. Es hat alles soweit geklappt und ich habe endlich meinen Rucksack wieder =)

Mit den Autos ist das hier auch so eine Sache… Hier fahren alle die Autos rum, die in Deutschland oder Europa keinen TÜV mehr bekommen haben oder würden. Doch sie fahren und das auf Straßen, die man schon fast nicht mehr als solche bezeichnen kann. Die meisten Straßen außerhalb der großen Städte gleichen mehr sehr staubigen Feldwegen mit unzähligen Schlaglöchern, die der Fahrer zwar zu umfahren versucht, was ihm jedoch bei dieser Menge nicht so recht gelingt.

Und dann gibt es noch so genannte Tro-Tros. Das sind Kleinbusse, in die so viele Sitze und Bänke eingebaut werden, wie nur geht. Und diese werden dann mit 15-20 Leuten befüllt und fahren von A nach B. Die Fahrt von Kumasi nach Denchemouso kostet 50 Pesewas, also umgerechnet ca. 25ct für eine dreiviertel Stunde Fahrt (meine Schätzung: ca. 8km).

Ich bin gespannt was wir noch alles erleben werden und vor allem wer meine Gastfamilie sein wird, bei der mein Zuhause für die nächsten 6 Monate sein wird. Wenn ich das nächste Mal im Internetcafé bin, berichte ich euch auf jeden Fall wieder die neusten Neuigkeiten. 😉

Ganz liebe Grüße nach Deutschland

Eure Anja

… in ein paar Stunden geht’s los

so, jetzt ist’s also fast soweit – in 9 Stunden fliegt mein Flieger in München los.

Mit gemischten Gefühlen seh ich dem Start entgegen – zum einen freu ich mich mega auf die Zeit in Ghana – die Menschen, das Land, einfach alles – aber zum andern wird mir jetzt erst richtig bewusst wen und was ich hier eigentlich alles zurücklasse…

Ich werde euch alle ganz sicher vermissen – aber ich komme wieder  – und das bestimmt mit vielen neuen tollen Erinnerungen,… im Gepäck.

Seid alle ganz <3-lich gegrüßt

Eure Anja