Nur noch ein Monat Ghana…

In 4 Wochen fliege ich schon wieder nach Deutschland zurück – die Zeit rast und rast…

Schule

Die erste Schulwoche im Januar verging ohne unterrichten zu können, weil nur die Hälfte der Schüler da war, es keinen Stundenplan gab und die erste Woche eines Terms sowieso nur zum Putzen, Aufräumen, Rasen mähen,… genutzt wird.

Da die anderen Lehrer erst noch ihre Examen von vor den Ferien korrigieren und Zeugnisnoten ausstellen mussten, war mir zunächst sehr langweilig. Am Mittwoch ist dann aber zumindest einmal der Lehrer, der den Schlüssel zur Bibliothek hat, aufgetaucht und so konnte ich mir diese einmal genauer anschauen. Mittlerweile befanden sich die Bücher zwar nicht mehr in Kartons, aber dafür ungeordnet, übereinander gestapelt in einem Regal. Also machte ich mich dran da etwas Ordnung reinzubringen. Ich versuchte die Bücher, die zwar da aber ohne jegliche Kennzeichnung waren, nach Fächern zu ordnen und mit der Hilfe einiger Schüler wurden diese dann auf einer schon bestehenden Liste ergänzt. Die drei Freiwilligen, die vor einem Jahr an der selben Schule gearbeitet haben, kauften der Schule Bücher, kennzeichneten diese und registrierten sie nach Schulfächern geordnet. Im Laufe des letzten halben Jahres sind dann von irgendwoher noch mehr Bücher hinzugekommen, die aber weder gestempelt, noch gekennzeichnet oder registriert wurden.

Am Donnerstag ging unsere Arbeit dann weiter. Mit der Hilfe von ca. 20 Schülerinnen und Schülern schafften wir es die vielen Bücher zu registrieren und nach Fächern geordnet ins Regal zu räumen.

Der Rest des Raumes stand leider nach wie vor voll mit irgendwelchen anderen Dingen. In der einen Ecke stapelten sich alte Schulbänke, in der anderen neue ungenutzte Schulbücher und überall lagen Fußballschuhe, Trikots, Hefte,… herum.

Mittlerweile wurde dies aber alles weggeräumt und die Bibliothek lässt sich nun endlich als solche erkennen. Jetzt gilt es nur noch sie von Zeit zu Zeit zu öffnen…

Trip in den Norden Ghanas

Sehr spontan entschließen sich Leonie, Kerstin und ich am Montag, den 14. Januar in den Norden Ghanas zu reisen. Leonie und Kerstin sind zwei deutsche Freiwillige, die mit der Organisation „Rainbow Garden Village“ in Accra arbeiten. So kommen die beiden sonntags zu mir nach Kumasi und Montag morgens um 3.30 Uhr geht’s dann richtig los. Mein Gastbruder Apos fährt uns zur Station in Tanoso, von dort geht’s mit dem Taxi zum Busbahnhof und von dort aus nach Bolgatanga (Upper East Region). So zumindest der Plan. Praktisch sind wir um 4 Uhr am Busbahnhof – vor uns eine Schlange von ca. 80 Menschen, die alle auch nach Bolgatanga wollen. Der erste Bus ist schon da, die Tickets verkauft und fährt um 4.30 Uhr los. Da in einen Bus knapp über 60 Leute passen, rechnen wir uns aus, dass wir es wohl in den dritten Bus schaffen müssen. Doch als begonnen wird die Tickets für den dritten Bus am Schalter zu verkaufen, stürmt plötzlich eine Gruppe von Hinter-uns-Stehenden vor an den Schalter. Ohne Rücksicht auf Verluste schubsen, stoßen und boxen sie sich durch – hier gilt eben leider noch die Macht des Stärkeren und nicht des Ersten… Vorallem Mütter mit Kindern (und davon stehen hier viele) müssen zurückstecken und obwohl sie schon die doppelte Zeit warten, bekommen sie keine Tickets. Anstatt sie zurechtzuweisen und die Tickets der Reihe nach zu verkaufen, bekommen die Drängler ihre Tickets und füllen den dritten Bus. Und nicht nur das, plötzlich stehen auch wieder 80 Menschen vor uns, das heißt in den nächsten Bus kommen wir auch nicht rein…

Um 9.30 Uhr kommt dann der fünfte Bus nach Bolgatanga und wir bekommen unsere Tickets. Nach 6 Stunden warten geht es dann um kurz nach 10 Uhr endlich los in einem Bus, der fast ausschließlich mit Müttern mit Kindern befüllt ist.

Um 19.30 Uhr kommen wir dann fix und fertig in Bolgatanga an und wollen nur noch essen und ins Bett…

Am nächsten Morgen geht’s um 7Uhr wieder los. Mit dem Taxi fahren wir nach Paga, das an der Grenze zu Burkina Faso liegt. Dort gibt es zwei Krokodilteiche. Den einen kann man besichtigen. Es leben dort ca. 200 Krokodile, die einer Legende nach mit den Menschen in Paga verwandt und deshalb zahm sind. Ich bin etwas enttäuscht, da man die Tiere überhaupt nicht in Action sieht und es eigentlich nur darum geht den Touristen möglichst viel Geld aus der Tasche zu ziehen…

Danach geht’s dann weiter nach Nania, wo es ein ehemaliges Sklavencamp zu sehen gibt. Dieses Camp stellte eine Zwischenstation für Sklaven aus Burkina Faso und den umliegenden Gemeinden von Nania dar, bevor die meisten dann auf den Sklavenmarkt nach Salaga gebracht wurden. Wir bekommen eine sehr interessante Führung und es ist sehr schockierend wie Menschen hier einst behandelt wurden.

Nach kurzem Zwischenstop an der katholischen Lehmkathedrale in Navrongo geht es am Nachmittag dann wieder zurück nach Bolgatanga.

Dort gehen wir noch ins Regional Museum, wo wir viel von der Kultur der Upper East Region erfahren. Direkt neben dem Museum befindet sich das ’craft village’. Der Norden Ghanas ist dafür bekannt Körbe zu flechten und Ledertaschen herzustellen, was wir dort zu sehen bekommen.

Mittwochs geht’s dann weiter nach Tamale (Northern Region). Dort bekommen wir den angeblich ’biggest tree of Ghana’, den ’chief’s palace’ und die Moschee zu Gesicht. Am Nachmittag befinden wir uns dann im nächsten ’craft village’. Die Menschen hier sind richtig freundlich. Bei einem Verkäufer bekommen wir kurzerhand Trommelunterricht, obwohl wir ihm versichern, dass wir keine Trommel kaufen werden, der nächste bringt uns Oware (= ein Spiel) bei.

Am Donnerstagmorgen geht’s dann auch schon wieder weiter nach Larabanga. Dort kommen wir am Nachmittag völlig eingestaubt und verdreckt, da die Straße so schlecht und staubig ist, an. Nach kurzem Entstauben geht’s dann auf zwei Motorrädern (funktioniert hier wie Taxis) in den Mole-Nationalpark. Wir kommen gerade an, da sehen wir schon den ersten Elefanten. Dieser läuft gerade vom Wasserloch ins Gebüsch. Dann geht’s auf zur Safari. Auf dem Dach eines Jeeps sitzend fahren wir durch den Park. Wir sehen viele Affen, Antilopen, Wildschweine,… und dann plötzlich ein Krokodil, das in Richtung Fluss rennt. Kurzerhand rennt unser Ranger hinterher, schneidet dem Krokodil den Weg ab und ruft uns hinzu. Da liegt das Krokodil nun wie tot, wir machen unsere Bilder und dann möchte es der Ranger eigentlich wieder zum Bewegen animieren. Dazu wirft er mehrere Male einen Stock auf das Krokodil, doch dieses macht keine Anstalten sich zu bewegen. Nach einiger Zeit rennt es dann plötzlich los in Richtung Fluss und wir kehren zurück zum Jeep und fahren weiter.

Dann sehen wir plötzlich einen Elefanten. Ganz nah neben dem Weg steht er im Gebüsch und frisst. Leise steigen wir vom Jeep und gehen näher ran. Letztendlich stehen wir dann ca. 10m neben einem echten lebenden Elefanten – voll krass =). Kurze Zeit später sehen wir dann sogar noch einen weiteren. Wilde Tiere in freier Wildbahn und so nah zu sehen war für mich eine ganz neue tolle Erfahrung, da ich sie bisher nur aus dem Zoo gekannt habe ;-).

Abends geht’s dann noch zum ’mystic stone’, der angeblich, wenn man ihn an einen anderen Ort befördert von allein wieder an den ursprünglichen Ort zurückkehrt…

Geschlafen wird diese Nacht auf dem Dach unseres Guesthouse. Die traditionellen Häuser der Menschen im Norden Ghanas sind aus Lehm gebaut und haben ein Flachdach. Im Inneren der Häuser ist es so in der Trockenzeit (tagsüber heiß – nachts kalt) warm, wenn es nachts kalt wird und wenn es ihnen innen zu warm wird, können sie auf dem Dach ihres Hauses übernachten. Zwar ist zur Zeit Trockenzeit und es somit nachts kühl, aber das schreckt uns nicht ab ;-).

Der Freitag beginnt damit die alte Moschee in Larabanga anzuschauen und danach wollen wir eigentlich mit dem Bus nach Wa (Upper West Region).

Doch die drei Busse, die täglich durch Larabanga nach Wa fahren sind entweder voll oder halten einfach nicht an.

Nach 2 Stunden warten halten die Dorfbewohner dann einen LKW an, der nach Sawla, der nächstgrößeren Stadt, fährt und uns mitnimmt.

Von Sawla geht’s dann mit dem Trotro weiter nach Wa und von dort mit einem anderen nach Wechiau. Abends kommen wir dort im Hippo Sanctuary an, wo wir eine weitere Nacht auf dem ’rooftop’ verbringen.

Am Samstagmorgen geht’s los auf River Safari. Noch bevor wir im Boot sitzen sehen wir schon die ersten Flusspferde. Mit dem Kanu geht’s dann näher ran und die nächste Stunde beobachten wir Flusspferde, die schlafend, dösend oder chillend im Wasser liegen.

Später fahren wir dann mit dem Trotro wieder zurück nach Wa. Dort machen wir noch eine kleine Stadtbesichtigung, die uns zum ’chief’s palace’ und zur Moschee führt und dann geht’s ziemlich fertig von den letzten Tagen ins Hotel.

Nach ca. 8 Stunden Fahrt kommen wir am Sonntagnachmittag wieder in Kumasi an.

Leider geht’s mir plötzlich gar nicht mehr gut. Ich bekomme abends noch Fieber. Mit der Vermutung auf Malaria werfe ich die folgenden drei Tage Tabletten ein, schlafe, esse, schlafe, lese, schlafe,…

Donnerstags bin ich dann eigentlich wieder vollständig fit, aber meine Gastmutter meint: „You have to rest!“ und so solle ich den Rest der Woche auch noch von der Schule daheim bleiben…

Schule

Seit knapp zwei Wochen gehe ich jetzt aber wieder in die Schule und unterrichte. Diese Woche schreiben meine Schüler ’monthly exam’ täglich die ersten und die letzten beiden Stunden, die ich laut neuem Stundenplan so gut wie jeden Tag habe. So wird zur Zeit nur selten Französisch unterrichtet, dafür umso mehr Klassen beim Examenschreiben beaufsichtigt.

So viel von mir für heute =)

Bis ganz bald

Eure Anja

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