Mein „neuer“ Alltag

Heute möchte ich euch ein bisschen beschreiben wie meine Tage hier so aussehen.

Zuerst einmal zu meinen Arbeitstagen. Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag bin ich immer von 7.30 bis 14 Uhr (oder manchmal auch länger) in der Schule. Dort unterrichte ich täglich 4 Schulstunden à 35min Französisch – habe also 2 meiner 4 Klassen für jeweils eine Doppelstunde. Zwischen den beiden Doppelstunden korrigiere ich dann ’exercises’ meiner Schüler, rede oder diskutiere mit den Lehrern, lerne Twi oder sitze rum, weil ich auf etwas oder jemanden warte. Doch langweilig wird es mir mittlerweile eigentlich nicht mehr (zumindest nicht oft) ;-).

Der Freitag ist aber bisher nur theoretisch wie die anderen Schultage. Praktisch gab es in den 11 Wochen Schule, die nun vorüber sind höchstens 3 ganz normale Freitage mit Unterricht von der ersten bis zur letzten Stunde. Ansonsten ist immer mal wieder ein Feiertag – manchmal ist bekannt warum, manchmal nicht 😉 – oder ein Fußballspiel gegen eine andere Schule, bei dem dann zwar nur 11 Schüler der ganzen Schule mitspielen, alle anderen aber auch keinen Unterricht haben. Ich habe mir erklären lassen der Freitag werde hier als ’socialisation day’ genutzt. Das heißt, man bringt den Kids etwas über Kultur oder ähnliches bei. Ein Lehrer erklärte mir, ghanaische Kinder seien anders nicht zum Lernen zu begeistern, als dass man immer wieder Tage zur ’socialisation’ einlegt. Mir kommt es aber eher so vor, als wäre das Nichtstun eher im Interesse der Lehrer als der Schüler, aber das nur so nebenbei ;-).

Oftmals haben alle Lehrer während der Schulzeit ’staff meeting’. Das bedeutet dann, dass alle Lehrer (mich eingeschlossen) im Lehrerzimmer sitzen und über vorhandene Probleme reden. Was mich dabei immer wieder erstaunt ist, dass einige der Lehrer ’problems of Ghanas schools’ sehr gut erkennen und ansprechen, aber geändert oder verbessert wird leider trotzdem nichts.

So habe ich nun erfahren (auf Nachfrage), dass die Bibliothek der Schule nie geöffnet sei, weil ein Teil der Bücher nicht gestempelt sei und zu wenig Regale vorhanden seien. Die Headmistress meinte dann, eigentlich sei das aber kein Problem, man könne die Bibliothek ja trotzdem provisorisch öffnen, aber das waren dann leider mal wieder nur Worte ohne Taten. Ein anderer Lehrer, den alle Onkel Moses nennen, weil sein Nachname anscheinend zu schwer zum Aussprechen ist :D, und mit dem man sehr gut über alles rund um Ghanas Schulen reden kann, erklärte mir dann, das das eigentliche Problem sei, dass hier an der Schule jeder Lehrer nur an seinem eigenen Fach interessiert sei und das niemand freiwillig die zusätzliche Arbeit in der Bibliothek machen möchte. Na super – da hat eine Schule schon eine Bibliothek MIT Büchern und dann scheitert alles an der Faulheit der Lehrer… =( Ich hoffe, dass sich da noch was machen lässt…

Während der ’staff meetings’ sind die Klassen dann unbeaufsichtigt in ihren Klassenzimmer und lernen ’on their own’ (behaupten zumindest die Lehrer). In Wirklichkeit sieht das dann so aus, dass der Klassensprecher die ganze Tafel mit irgendwelchen Informationen zu einem Thema voll schreibt und die Klasse das dann in ihre ’notebooks’ kopiert. Meistens sind das relativ anspruchsvolle englische Texte und ich bezweifle, dass die Schüler diese verstehen, wenn sie schon meine einfachen englischen Sätze oftmals nicht verstehen. Aber darauf legt hier auch keiner Wert, hier wird alles „nur“ auswendig gelernt und dann wiedergegeben.

Zwischen 14.30 und 15 Uhr komme ich dann meistens nach Hause. Manchmal bin ich so erledigt, dass ich einfach nur noch (ganz ghanaisch) nichts tun möchte und daheim bleibe. Dann helfe ich kochen, bereite meinen Unterricht vor, lese, chille,… Doch meistens besuche ich die anderen 4 in Denchemouso, sie kommen nach Tanoso und wir treffen uns da irgendwo oder wir gehen gemeinsam wohin.

Ein paar Mal waren wir bei 2x Michael und Frank, 3 Studenten der Uni in Tanoso, die wir über Matthias kennen gelernt haben. Bei ihnen haben wir dann zusammen ghanaisch gekocht und gechillt.

Nun zum Mittwoch, meinem freien Tag. Um 6.30 Uhr geht’s raus aus den Federn und in den Garten zum Zähneputzen. Um kurz vor oder nach 7 Uhr verlassen dann alle außer mir (z. Zt. sind das meine Gasteltern und Millicent) das Haus in Richtung Schule. Für mich heißt es dann erstmal Weißwäsche und Handtücher einweichen und danach wird gefrühstückt. Mein Frühstück besteht meistens aus Brot (mal getoasted mal nicht) und Honig oder Bananen. Dann geht die Waschprozedur los: zuerst wird die Buntwäsche gerubbelt und geschrubbt bis alle Flecken und unschönen Gerüche nicht mehr vorhanden sind, danach dann die Weißwäsche und ganz am Ende die Socken, die mittlerweile zwar eine Stunde eingeweicht wurden, aber immer noch nur schwer bis gar nicht wieder weiß zu bekommen sind. Normalerweise hänge ich dann alle meine nassen Sachen an die Wäscheleine im Garten, doch da dort gerade ein neuer Raum gebaut wird und sie deshalb nicht mehr steht, habe ich gestern das erste Mal meine Wäsche richtig ghanaisch getrocknet. Heißt: man legt einfach alle gewaschenen Sachen auf den Rasen im Garten und wenn die eine Seite trocken ist, wird gewendet ;-). Zu meinem Erstaunen trocknen die Sachen so viel schneller. Alles in allem bin ich dann nach eineinhalb bis zwei Stunden fertig mit Waschen für eine Woche =).

Danach koche ich mir dann meistens kurz etwas oder mache mir den Rest vom Vortag warm und danach gehe ich (mal mit mal ohne die anderen) in die Stadt, also nach Kumasi rein. Dort geht’s dann ins Cultural Centre, in den Supermarkt, zur Post,… und danach meist noch für mich nach Denchemouso. Meinen freien Tag genieße ich und bin sehr froh, dass ich ihn habe, da Unterrichten hier doch sehr anstrengend und der Tag so gut wie vorbei ist, wenn ich um 15 Uhr heimkomme.

Ghanaische Samstage sind „vollgestopft“ mit verschiedenen Veranstaltungen. Hochzeiten, Verlobungen und Beerdigungen sind grundsätzlich samstags. Mein Gastvater meinte, man müsse aufpassen, dass man nicht den ganzen Samstag von einer Beerdigung zur nächsten und dann noch zwischendurch zu einer Hochzeit müsse, weil man den Samstag eigentlich ’to rest’ bräuchte, um sich von der anstrengenden Schulwoche zu erholen (er ist auch Lehrer).

Meine Samstage hier sehen aber meistens folgendermaßen aus: entweder ich mache mit den anderen einen Ausflug in die nähere Umgebung (davon habe ich euch ja letzten Blogeintrag berichtet) oder ich ’joine’ meine Gastfamilie zu einer Verlobung oder Hochzeit.

Sonntags geht’s dann morgens in die Kirche. Ich werde immer wieder von jemand anderem eingeladen, so bekomme ich einen Einblick in die Unterschiede der einzelnen Kirchen hier. Alles in allem sind die Gottesdienste der verschiedenen Kirchen hier aber recht ähnlich. Was für mich etwas ungewohnt ist, ist, dass wirklich jeder hier Mitglied einer Kirchengemeinde ist und auch (fast) alle Ghanaer sonntags in die Kirche gehen. Generell spielt der Glaube im Leben der Menschen hier eine sehr große Rolle.

Wird man z.B. gefragt, wie das Wochenende war oder wie man geschlafen habe letzte Nacht und man antwortet „Gut!“, dann folgt sofort der Satz „Thank God!“. Oft hört man auch auf die Frage „How are you?“ die Antwort „By God’s grace, I’m fine!“. Gedankt wird in Ghana mit den Worten „God bless you!“, wenn man jemandem etwas schenkt oder Gutes tut.

So ist der Glaube der Menschen hier in ihrem Alltag sehr präsent. So gibt es montags, mittwochs und freitags von 8 – 8.15 Uhr in der Schule eine ’Assembly’, bei der sich die komplette JHS vor dem Schulgebäude nach Klassen geordnet aufstellt, zuerst die Nationalhymne, dann ein anderes Lied („Good morning Jesus, good morning Lord,…“) singt und zum Schluss das Vater unser betet. Danach marschieren sie dann singend in ihre Klassenzimmer.

Sehr warme Grüße ins kalte Deutschland =)

von eurem immer-dunkler-werdenden Obruni 😉

Anja

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