letzte Meldung aus Ghana

6 Monate Ghana sind vorbei… so schnell geht’s…

Mit gemischten Gefühlen geht’s in ein paar Tagen wieder zurück nach Holzgerlingen ;-).

Jetzt heißt es also verabschieden von allen Menschen mit denen ich hier zu tun hatte. Der Abschied fällt mir sehr schwer, da ich weiß, dass ich viele, die mir hier ans Herz gewachsen sind, nie wieder sehen werde. So viel mir insbesondere der Abschied von meinen Schülern gestern sehr schwer.

Doch andererseits freue ich mich auch sehr wieder nach Hause zu kommen, euch alle wiederzusehen, einfach mal ohne Aufzufallen aus dem Haus gehen zu können, auf das schwäbisch Essen 😉 und noch vieles mehr.

Morgen (Sonntag) geht’s für mich dann nach Accra, da Jennifer schon am Montag nach Deutschland fliegen wird.

Am 7. März um 21.30 Uhr wird dann voraussichtlich mein Flieger in Accra abheben und es heißt: „Byebye Ghana!!! Schön war’s!!!“. Mit Zwischenlandung und Aufenthalt in Istanbul werden wir dann am 8. März um ca. 18 Uhr in München landen.

Ich freue mich euch ganz bald wiederzusehen =)

Ganz liebe Grüße aus Ghana

eure Anja

nur noch 2 Wochen – der Countdown läuft…

Volta Region

Am 8. Februar ging’s noch mal los auf meine letzte Reise durch Ghana. Nach acht Stunden Trotro-Fahrt komme ich in Hohoe an, wo ich Kerstin, mit der ich auch schon im Norden war, treffe. Sie ist direkt von Accra gefahren und ich von Kumasi. Übernachten tun wir die nächsten zwei Nächte im Geduld-Hotel. Die Besitzerin war lange Jahre in Heidelberg, hat dort Betriebswirtschaft studiert, spricht sehr gut Deutsch und ist sehr nett.

Der nächste Tag beginnt für uns mit einem ’walk’ durch halb Hohoe zur „Station“ (Trotros, die an der Straßenrand stehen). Von dort aus fahren wir nach Wli-Afegame, wo die bekannten Wli-Wasserfälle sind. Nach bezahlten 10 Cedi (ca. 4€) geht’s mit unserem Guide im Stechschritt los. Nach 40 Minuten erreichen wir den Punkt, an dem sich die Wege zum unteren und zum oberen Wasserfall trennen. Für uns geht’s in Richtung oberer Wasserfall über Stock und Stein weiter. Nach zwei Stunden ’hiking’, schwitzen, mit nur 2 Bananen im Magen und einigen kurzen Pausen erreichen wir dann letztendlich den oberen Wasserfall. Die Wanderung war doch recht anstrengend und ich froh, dass ich festes Schuhwerk an meinen Füßen hatte. Unser Guide dagegen rannte den ganzen Berg in Flipflops und ohne einen Tropfen Wasser nach oben…

Aber es hat sich auf jeden Fall gelohnt. Es ist sehr schön dort oben – Natur pur, klares, kaltes Wasser,… und wir mitten drin.

Um kurz nach 13Uhr machen wir uns dann an den Abstieg und obwohl uns eigentlich die Mittagshitze nun voll treffen müssten ist das Klima recht angenehm. Die Missionare aus Europa kamen vorwiegend in die Volta Region, weil das Klima hier im Vergleich zum Rest Ghanas sehr angenehm ist.

Nach eineinhalb Stunden Abstieg erreichen wir den unteren Wasserfall, der zwar genauso schön, aber voller Touristen (sowohl weiß, als auch schwarz) ist.

Am Sonntagmorgen geht’s mit Sack und Pack weiter nach Kpandu und Torkor, das am Ufer des Voltasees liegt. Dort machen wir eine Kanufahrt auf dem Volta und besichtigen eine Insel auf der angeblich die Menschen von Kpandu lebten bevor sie auf’s Festland übersiedelten.

Dann geht’s weiter nach Tafi – 3 Personen, 2 Rucksäcke, 2 Handtaschen und 1 Motorrad. Eine halbe Stunde später erreichen wir unser nächstes Ziel das Monkey Sanctuary. Als wir am Spätnachmittag Wasser kaufen gehen, laufen uns auf dem Rückweg plötzlich 4 Affen hinterher, als wir stehen bleiben, klettern sie auf den Zäunen und Bäumen herum – mitten im Dorf =).

Die Affen kommen hier kurz bevor die Sonne unter- und kurz nachdem sie aufgeht ins Dorf um sich Essen und Trinken zu besorgen.

Am nächsten Morgen bekommen wir dann noch eine Führung durch den Wald, in dem die Affen leben. Wir füttern eine Gruppe mit Bananen und laufen dann noch quer durch den Wald.

Dann geht’s (wieder auf einem Motorrad) in Richtung Amedzofe, dem höchstgelegenen Dorf Ghanas. Die Straße wird gerade neu gemacht ist also relativ gut, doch zeitweise muss das Motorrad schon recht schnaufen. Nach ca. 40 Minuten kommen wir dann oben an, wo uns eine ’tourist office’ erwartet :D. Von dort wird uns ein Guesthouse vermittelt und dort muss man auch für die Besteigung des Hausbergs bezahlen.

Diesen besteigen wir dann noch am Nachmittag und den restlichen Tag verbringen wir mit chillen.

Dienstags geht’s dann weiter – diesmal mit dem Taxi – nach Ho, der Hauptstadt der Volta Region. Nachmittags fahren wir von dort aus nach Kpetoe, wo Kente gewoben und verkauft wird.

Am Mittwoch wollen wir uns 2 Projekte in Have, in denen auch Freiwillige von ’Rainbow Garden Village’ arbeiten, anschauen. Zuerst gehen wir ins Health Centre. Dort können Mütter mit ihren Neugeborenen zum Impfen und für die ersten Untersuchungen hinkommen oder alle, die sonst irgendetwas haben oder brauchen.

Danach gehen wir weiter zu einer Schule der “Anja Charity Foundation“ (ja, sie heißt wirklich so 😀 …) Die Schule besteht aus 3 sehr kleinen Klassenzimmern und 105 Kindern, die alle den Kindergarten oder die 1. Klasse besuchen. Alfred startete dieses Projekt um Kindern, die aufgrund von Armut keine „normale“ Schule besuchen könnten, Bildung zu ermöglichen. Die Kids bekommen Essen und werden nach ghanaischem Lehrplan unterrichtet.

Leider sind die 5 Lehrer, von denen die meisten unausgebildet sind, völlig überfordert mit den vielen Kindern auf so wenig Platz. Doch sie geben ihr Bestes, damit die Kinder für ein paar Stunden am Tag nichts von der Armut, die sie umgibt, spüren.

Um kurz nach 13Uhr gehen wir dann wieder zurück zum Health Centre, wo wir gefragt werden, ob wir denn schon gegessen haben. Ehrlicherweise müssen wir „Nein“ sagen, worauf wir gefragt werden, was wir denn essen wollen. Wir meinen wo wir denn Reis bekommen könnten. Darauf meint eine der Krankenschwestern ob ’fried rice’ ok sei und auf unser bejahen geht sie los um welchen zu kaufen. Als sie nach einer halben Stunde immer noch nicht da ist, erfahren wir sie sei ins nächste Dorf gefahren, da der Reis dort besser sei und nun bekomme sie kein Trotro mehr zurück nach Have, müsse also zurück laufen…

Um kurz nach 15Uhr verlassen wir dann das Health Centre, die netten Menschen hier und letztendlich auch Have, da wir heute noch nach Akosombo wollen.

Dort geht’s am Donnerstagmorgen erstmal zum sehr unspektakulären Hafen und danach zum Staudamm, der das Wasser des Voltasees staut.

Dann wollen wir weiter nach Odumase in eine Beads-Factory. Sie lassen uns irgendwo aus dem Trotro aussteigen mit dem Hinweis die Station, zu der wir müssten, sei rechts und dann gerade aus. Also laufen wir in die Richtung, fragen noch mal und noch mal und dann treffen wir auf einen Typ, der meint „Come, come“. Wir denken also er bringt uns zur Station, doch weit gefehlt. Da der Gute leider, wie wir später erfahren, kein Englisch kann, führt er uns zu einer Senior High School, die unglücklicherweise auch noch auf einem Berg liegt. Wir rennen also mit unserem ganzen Gepäck den Berg hinauf. Dort angekommen heißt uns die Headmistress willkommen und meint was wir denn wollten, worauf wir sagen „zur Station“. Sie ist total erstaunt und fragt den Typ, der uns hergebracht hat, warum er uns denn den Berg hochscheucht, wenn wir zur Station wollen. Netterweise bringt uns dann aber der ’schoolcar’ mit zugehörigem Fahrer zur Beads-Factory und der Fahrer erklärt uns, dass die Schule ein Austauschprogramm mit Großbritannien habe, der Typ wahrscheinlich überhaupt nicht zugehört und uns nur aufgrund unserer Hautfarbe zur Schule gebracht habe.

Nach unserem Besuch bei der Beads-Factory geht’s dann weiter nach Koforidua auf den Beadsmarket und nachmittags dann nach Tafo, wo wir eine Kakaofarm anschauen wollen. Da wir etwas spät erst ankommen übernachten wir dort und schauen uns CRIG (Cocoa Research Institute Ghana) erst am nächsten Morgen an. Dort wird untersucht wie Kakao am effektivsten angebaut werden kann, wie man die Krankheiten, die die Kakaopflanzen befallen, bekämpfen kann,… Diese Erkenntnisse teilen sie dann den Farmern mit, damit diese Kakao effektiver anbauen können. Außerdem produzieren sie hier auch Produkte aus den eigentlichen Abfallprodukten (Kakaobohne), die entstehen, wenn man die Kakaobohnen gewinnt. So zum Beispiel Cocoa-Butter, Seife,…

Von Tafo geht’s für uns dann zurück nach Koforidua und dann nach Accra. Dort übernachte ich noch zwei Nächte in Kerstins Gastfamilie, bevor ich sonntags wieder zurück nach Kumasi fahre.

Schule

Die letzten zwei Wochen Schule sind angebrochen und ich versuche mit meinen Schülern Gruppenarbeit zu machen. Überlegt habe ich mir in jeder Klasse 8 Gruppen zu machen, die jeweils ein Plakat zu verschiedenen Themen (z.B. Früchte, Tiere, Dinge im Klassenzimmer,…) gestalten. Sie zeichnen die Dinge und beschriften sie mit den dazugehörigen französischen Begriffen.

Soweit der Plan. Die Umsetzung gestaltet sich etwas schwieriger, da es die Schüler hier überhaupt nicht gewohnt sind zusammen zu arbeiten. Hier geht alles immer nur gegeneinander und darum wer der oder die Beste ist. Anstatt zusammen ein schönes Plakat zu gestalten, wird gekämpft, wer schreiben und zeichnen darf, das Plakat der Nachbargruppe beneidet, das doch so viel schöner ist wie das eigene oder einfach mal lautstark diskutiert, weil der eine den Namen der anderen vom Plakat gestrichen hat oder weil die Katze aussieht wie ein Zebra oder, oder, oder,…

Jetzt könnt ihr euch vielleicht ein bisschen vorstellen wie schwierig es ist sie dann wieder unter Kontrolle zu bekommen und es gelingt mir auch nicht wirklich. So bin ich froh, wenn ich die Gruppenarbeit diese Woche vollends beende und wir dann die fertigen Plakate einfach nur noch aufhängen müssen, denn schön sind sie im Endeffekt dann doch alle.

Und ab nächster Woche heißt es dann leider Abschied nehmen.

Von allen meinen Schülern, den Lehrern, allen Menschen, denen ich tagtäglich auf meinen vielen Wegen begegne, meiner Gastfamilie,…

Der 1. März wird mein letzter Schultag sein und am 3. März werde ich nach Accra fahren, da Jenni schon am 4. zurück nach Deutschland fliegt.

So sehr ich mich auch auf euch alle und daheim freue, der Abschied hier wird mir sicher nicht leicht fallen. Viele Menschen sind mir in den letzten Monaten ans Herz gewachsen und die allermeisten werde ich nie wiedersehen…

Ich hoffe und bin mir eigentlich sicher, dass ich dennoch irgendwann zurückkommen kann – wann auch immer das sein wird.

Ich freue mich euch alle sehr bald wieder zu sehen!!!

Seid ganz <3-lich gegrüßt

Eure Anja

Nur noch ein Monat Ghana…

In 4 Wochen fliege ich schon wieder nach Deutschland zurück – die Zeit rast und rast…

Schule

Die erste Schulwoche im Januar verging ohne unterrichten zu können, weil nur die Hälfte der Schüler da war, es keinen Stundenplan gab und die erste Woche eines Terms sowieso nur zum Putzen, Aufräumen, Rasen mähen,… genutzt wird.

Da die anderen Lehrer erst noch ihre Examen von vor den Ferien korrigieren und Zeugnisnoten ausstellen mussten, war mir zunächst sehr langweilig. Am Mittwoch ist dann aber zumindest einmal der Lehrer, der den Schlüssel zur Bibliothek hat, aufgetaucht und so konnte ich mir diese einmal genauer anschauen. Mittlerweile befanden sich die Bücher zwar nicht mehr in Kartons, aber dafür ungeordnet, übereinander gestapelt in einem Regal. Also machte ich mich dran da etwas Ordnung reinzubringen. Ich versuchte die Bücher, die zwar da aber ohne jegliche Kennzeichnung waren, nach Fächern zu ordnen und mit der Hilfe einiger Schüler wurden diese dann auf einer schon bestehenden Liste ergänzt. Die drei Freiwilligen, die vor einem Jahr an der selben Schule gearbeitet haben, kauften der Schule Bücher, kennzeichneten diese und registrierten sie nach Schulfächern geordnet. Im Laufe des letzten halben Jahres sind dann von irgendwoher noch mehr Bücher hinzugekommen, die aber weder gestempelt, noch gekennzeichnet oder registriert wurden.

Am Donnerstag ging unsere Arbeit dann weiter. Mit der Hilfe von ca. 20 Schülerinnen und Schülern schafften wir es die vielen Bücher zu registrieren und nach Fächern geordnet ins Regal zu räumen.

Der Rest des Raumes stand leider nach wie vor voll mit irgendwelchen anderen Dingen. In der einen Ecke stapelten sich alte Schulbänke, in der anderen neue ungenutzte Schulbücher und überall lagen Fußballschuhe, Trikots, Hefte,… herum.

Mittlerweile wurde dies aber alles weggeräumt und die Bibliothek lässt sich nun endlich als solche erkennen. Jetzt gilt es nur noch sie von Zeit zu Zeit zu öffnen…

Trip in den Norden Ghanas

Sehr spontan entschließen sich Leonie, Kerstin und ich am Montag, den 14. Januar in den Norden Ghanas zu reisen. Leonie und Kerstin sind zwei deutsche Freiwillige, die mit der Organisation „Rainbow Garden Village“ in Accra arbeiten. So kommen die beiden sonntags zu mir nach Kumasi und Montag morgens um 3.30 Uhr geht’s dann richtig los. Mein Gastbruder Apos fährt uns zur Station in Tanoso, von dort geht’s mit dem Taxi zum Busbahnhof und von dort aus nach Bolgatanga (Upper East Region). So zumindest der Plan. Praktisch sind wir um 4 Uhr am Busbahnhof – vor uns eine Schlange von ca. 80 Menschen, die alle auch nach Bolgatanga wollen. Der erste Bus ist schon da, die Tickets verkauft und fährt um 4.30 Uhr los. Da in einen Bus knapp über 60 Leute passen, rechnen wir uns aus, dass wir es wohl in den dritten Bus schaffen müssen. Doch als begonnen wird die Tickets für den dritten Bus am Schalter zu verkaufen, stürmt plötzlich eine Gruppe von Hinter-uns-Stehenden vor an den Schalter. Ohne Rücksicht auf Verluste schubsen, stoßen und boxen sie sich durch – hier gilt eben leider noch die Macht des Stärkeren und nicht des Ersten… Vorallem Mütter mit Kindern (und davon stehen hier viele) müssen zurückstecken und obwohl sie schon die doppelte Zeit warten, bekommen sie keine Tickets. Anstatt sie zurechtzuweisen und die Tickets der Reihe nach zu verkaufen, bekommen die Drängler ihre Tickets und füllen den dritten Bus. Und nicht nur das, plötzlich stehen auch wieder 80 Menschen vor uns, das heißt in den nächsten Bus kommen wir auch nicht rein…

Um 9.30 Uhr kommt dann der fünfte Bus nach Bolgatanga und wir bekommen unsere Tickets. Nach 6 Stunden warten geht es dann um kurz nach 10 Uhr endlich los in einem Bus, der fast ausschließlich mit Müttern mit Kindern befüllt ist.

Um 19.30 Uhr kommen wir dann fix und fertig in Bolgatanga an und wollen nur noch essen und ins Bett…

Am nächsten Morgen geht’s um 7Uhr wieder los. Mit dem Taxi fahren wir nach Paga, das an der Grenze zu Burkina Faso liegt. Dort gibt es zwei Krokodilteiche. Den einen kann man besichtigen. Es leben dort ca. 200 Krokodile, die einer Legende nach mit den Menschen in Paga verwandt und deshalb zahm sind. Ich bin etwas enttäuscht, da man die Tiere überhaupt nicht in Action sieht und es eigentlich nur darum geht den Touristen möglichst viel Geld aus der Tasche zu ziehen…

Danach geht’s dann weiter nach Nania, wo es ein ehemaliges Sklavencamp zu sehen gibt. Dieses Camp stellte eine Zwischenstation für Sklaven aus Burkina Faso und den umliegenden Gemeinden von Nania dar, bevor die meisten dann auf den Sklavenmarkt nach Salaga gebracht wurden. Wir bekommen eine sehr interessante Führung und es ist sehr schockierend wie Menschen hier einst behandelt wurden.

Nach kurzem Zwischenstop an der katholischen Lehmkathedrale in Navrongo geht es am Nachmittag dann wieder zurück nach Bolgatanga.

Dort gehen wir noch ins Regional Museum, wo wir viel von der Kultur der Upper East Region erfahren. Direkt neben dem Museum befindet sich das ’craft village’. Der Norden Ghanas ist dafür bekannt Körbe zu flechten und Ledertaschen herzustellen, was wir dort zu sehen bekommen.

Mittwochs geht’s dann weiter nach Tamale (Northern Region). Dort bekommen wir den angeblich ’biggest tree of Ghana’, den ’chief’s palace’ und die Moschee zu Gesicht. Am Nachmittag befinden wir uns dann im nächsten ’craft village’. Die Menschen hier sind richtig freundlich. Bei einem Verkäufer bekommen wir kurzerhand Trommelunterricht, obwohl wir ihm versichern, dass wir keine Trommel kaufen werden, der nächste bringt uns Oware (= ein Spiel) bei.

Am Donnerstagmorgen geht’s dann auch schon wieder weiter nach Larabanga. Dort kommen wir am Nachmittag völlig eingestaubt und verdreckt, da die Straße so schlecht und staubig ist, an. Nach kurzem Entstauben geht’s dann auf zwei Motorrädern (funktioniert hier wie Taxis) in den Mole-Nationalpark. Wir kommen gerade an, da sehen wir schon den ersten Elefanten. Dieser läuft gerade vom Wasserloch ins Gebüsch. Dann geht’s auf zur Safari. Auf dem Dach eines Jeeps sitzend fahren wir durch den Park. Wir sehen viele Affen, Antilopen, Wildschweine,… und dann plötzlich ein Krokodil, das in Richtung Fluss rennt. Kurzerhand rennt unser Ranger hinterher, schneidet dem Krokodil den Weg ab und ruft uns hinzu. Da liegt das Krokodil nun wie tot, wir machen unsere Bilder und dann möchte es der Ranger eigentlich wieder zum Bewegen animieren. Dazu wirft er mehrere Male einen Stock auf das Krokodil, doch dieses macht keine Anstalten sich zu bewegen. Nach einiger Zeit rennt es dann plötzlich los in Richtung Fluss und wir kehren zurück zum Jeep und fahren weiter.

Dann sehen wir plötzlich einen Elefanten. Ganz nah neben dem Weg steht er im Gebüsch und frisst. Leise steigen wir vom Jeep und gehen näher ran. Letztendlich stehen wir dann ca. 10m neben einem echten lebenden Elefanten – voll krass =). Kurze Zeit später sehen wir dann sogar noch einen weiteren. Wilde Tiere in freier Wildbahn und so nah zu sehen war für mich eine ganz neue tolle Erfahrung, da ich sie bisher nur aus dem Zoo gekannt habe ;-).

Abends geht’s dann noch zum ’mystic stone’, der angeblich, wenn man ihn an einen anderen Ort befördert von allein wieder an den ursprünglichen Ort zurückkehrt…

Geschlafen wird diese Nacht auf dem Dach unseres Guesthouse. Die traditionellen Häuser der Menschen im Norden Ghanas sind aus Lehm gebaut und haben ein Flachdach. Im Inneren der Häuser ist es so in der Trockenzeit (tagsüber heiß – nachts kalt) warm, wenn es nachts kalt wird und wenn es ihnen innen zu warm wird, können sie auf dem Dach ihres Hauses übernachten. Zwar ist zur Zeit Trockenzeit und es somit nachts kühl, aber das schreckt uns nicht ab ;-).

Der Freitag beginnt damit die alte Moschee in Larabanga anzuschauen und danach wollen wir eigentlich mit dem Bus nach Wa (Upper West Region).

Doch die drei Busse, die täglich durch Larabanga nach Wa fahren sind entweder voll oder halten einfach nicht an.

Nach 2 Stunden warten halten die Dorfbewohner dann einen LKW an, der nach Sawla, der nächstgrößeren Stadt, fährt und uns mitnimmt.

Von Sawla geht’s dann mit dem Trotro weiter nach Wa und von dort mit einem anderen nach Wechiau. Abends kommen wir dort im Hippo Sanctuary an, wo wir eine weitere Nacht auf dem ’rooftop’ verbringen.

Am Samstagmorgen geht’s los auf River Safari. Noch bevor wir im Boot sitzen sehen wir schon die ersten Flusspferde. Mit dem Kanu geht’s dann näher ran und die nächste Stunde beobachten wir Flusspferde, die schlafend, dösend oder chillend im Wasser liegen.

Später fahren wir dann mit dem Trotro wieder zurück nach Wa. Dort machen wir noch eine kleine Stadtbesichtigung, die uns zum ’chief’s palace’ und zur Moschee führt und dann geht’s ziemlich fertig von den letzten Tagen ins Hotel.

Nach ca. 8 Stunden Fahrt kommen wir am Sonntagnachmittag wieder in Kumasi an.

Leider geht’s mir plötzlich gar nicht mehr gut. Ich bekomme abends noch Fieber. Mit der Vermutung auf Malaria werfe ich die folgenden drei Tage Tabletten ein, schlafe, esse, schlafe, lese, schlafe,…

Donnerstags bin ich dann eigentlich wieder vollständig fit, aber meine Gastmutter meint: „You have to rest!“ und so solle ich den Rest der Woche auch noch von der Schule daheim bleiben…

Schule

Seit knapp zwei Wochen gehe ich jetzt aber wieder in die Schule und unterrichte. Diese Woche schreiben meine Schüler ’monthly exam’ täglich die ersten und die letzten beiden Stunden, die ich laut neuem Stundenplan so gut wie jeden Tag habe. So wird zur Zeit nur selten Französisch unterrichtet, dafür umso mehr Klassen beim Examenschreiben beaufsichtigt.

So viel von mir für heute =)

Bis ganz bald

Eure Anja

Afehyiepa afe nko meto yen

(sprich: Afischjapa afin kome tu jen)

„Ein Jahr geht zu Ende und ein neues kommt“

Ich wünsche euch allen ein gutes, gesegnetes Jahr 2013!!! =)

Vor einem Monat schrieb ich: „Halbzeit“ und heute in exakt zwei Monaten lande ich wieder in Deutschland =) – echt krass wie schnell die Zeit vergeht…

Vorweihnachtszeit in der Schule

In Ghana begannen die Weihnachtsferien am 14. Dezember 2012. Die letzten Schultage davor wurden mit Examenschreiben, Nichts-tun und den vergeblichen Versuchen die ’exercise books’ zum Korrigieren einzusammeln verbracht und vergingen dadurch dann doch recht schnell.

Am letzten Schultag, dem 13. Dezember gab es dann noch eine sehr schöne Weihnachtsfeier der gesamten Schule. Alle 400 Schüler waren versammelt. Nacheinander trug jede Klasse ein Weihnachtslied vor. Es wurde gesungen, getanzt, musiziert,… Zwischendurch spielten dann einige Schüler die Weihnachtsgeschichte nach. Das hat mich sehr stark an unsere Krippenspiele erinnert und war doch etwas ganz besonderes, weil es eben die Geburt Jesu „auf ghanaisch“ war und so z.B. der König im Palast, der die Nachricht von der Geburt eines neuen Königs bekommt, nun der ghanaische ’chief’ war, der auch dementsprechend aussah ;-).

Darüber hinaus trat dann die schuleigene Brassband bestehend aus Trommeln, Posaunen, Trompeten, Becken,… noch einige Male auf. Die Jungs und Mädels haben einmal in der Woche Probe, spielen alles auswendig und haben’s echt drauf ;-). Ich hoffe, dass ich sie noch einmal zu Gehör bekomme, bevor ich Ghana verlasse.

So begannen die Ferien…

Engagement Cate & Michael

Und es folgte gleich das nächste Highlight. Cate, die zweitälteste Tochter meiner Gastfamilie, hatte am 15. Dezember ’Engagement’, was zwar übersetzt ’Verlobung’ heißt, hier aber als traditionelle Hochzeit gefeiert wird.

Die vorige Woche waren deshalb viele verschiedene Bauarbeiter bei uns in Garten und Haus, die noch möglichst viele der kleinen Baustellen beseitigen und fertig bauen sollten. So wurde der Abwassertank mit Mosaik gefließt, der Küche eine Arbeitsfläche und Boden verpasst, Fließen in einigen Zimmern verlegt, gestrichen, Türen ein- und ausgebaut,…

Freitags kamen dann 10-15 Frauen (Schwestern meiner Gasteltern) ins Haus um das Essen für die Hochzeit zuzubereiten. Bis spät in die Nacht hinein wurde gekocht und frühmorgens am Samstag wurde die Arbeit dann fortgesetzt. Es  wurde (typisch ghanaisch) nichts pünktlich fertig und es musste noch während der Zeremonie weitergekocht werden. Von Reis, über Spaghetti, Banku, Fufu, Salat, Hähnchenschlegel, Fisch,… gab es alles.

Im Wohnzimmer beginnt währenddessen (um 11.30 Uhr statt wie angekündigt zwischen 9 und 10 Uhr) die Zeremonie der ’traditional marriage’. Das Brautpaar sitzt auf zwei Stühlen in der Mitte und drumherum sitzen so viele Gäste, wie eben ins Wohnzimmer gehen. Es werden Reden von verschiedenen Personen gehalten, die ich nicht kenne und leider verstehe ich ja auch nichts. Danach geht’s dann im Garten weiter. Ein Freund des Bräutigams hält noch eine Rede und danach gibt es Essen. Dann soll eigentlich getanzt werden, doch nach drei Schritten des Brautpaares ist leider mal wieder Stromausfall und es gibt keine Musik mehr.

Die meisten Gäste verlassen das Fest direkt nach dem Essen und so sind dann bald nur noch die Helfer und engen Freunde der Familie da.

Um 14.30 Uhr beginnen wir dann schon wieder alles aufzuräumen und zu putzen und am Abend verlassen drei meiner Gastgeschwister schon wieder das Haus in Richtung Universität, da sie am darauffolgenden Sonntag  Vorlesungen haben.

Trip Elmina & Cape Coast

Am 19. Dezember geht’s dann das erste Mal auf Reisen in diesen Ferien. Eigentlich ist mein Plan, dass ich schon am Abend zuvor zu den anderen nach Denchemouso gehe und dort übernachte, damit wir früh am nächsten Morgen gemeinsam los können. Daraus wird dann aber leider nichts, da ich blöderweise mittags in der Stadt irgendwo reintrete und folglich eine Wunde am Fuß habe. Also mache ich mit meinen Gasteltern aus, dass sie mich am nächsten Morgen um 5 Uhr nach Denchemouso begleiten. Daraus wird aber dann leider auch nichts, da ich meine beiden Wecker, die mich so früh aus dem Schlaf holen wollen, erfolgreich ignoriere ;-). Um 6 Uhr klopft es dann an meine Tür und es wird gefragt, ob ich wirklich noch drin sei. Plötzlich bin ich hellwach und jetzt geht auch alles ganz schnell. Ich packe meine restlichen Sachen zusammen, laufe zur Straße, nehme ein Taxi, komme an der ’station’ an und bekomme noch einen Platz in dem Trotro, in dem Lisa Pfeffer und Jenni schon sitzen – puh, noch mal alles gut gegangen =). Mehr oder weniger, denn der letzte freie Platz geht an einen Passagier, der 5 Ziegen mitbringt. Diese werden dann alle in den Kofferraum eingeladen und da dieser schon mit anderen Dingen halb voll ist und somit nicht genug Platz ist, landen zwei Ziegen unter der letzten Sitzbank, auf der wir sitzen. So haben wir nicht nur ein ’Gschmäckle’ in der Nase, sondern auch noch Beinmuskeltraining, denn die Ziegen denken natürlich gar nicht daran ruhig im Fußraum eines Kleinbusses zu liegen. 3 Stunden, eine dreckige und stinkende Hose und einige Kämpfe später werden sie dann endlich ausgeladen und die letzte Stunde Fahrt vergeht wie im Flug ;-). Und plötzlich sind wir in Cape Coast.

Von dort aus geht es dann mit dem Taxi weiter nach Elmina, wo wir heute Nacht im Stumble Inn, einer Öko-Lodge am Strand, übernachten werden.

Den Rest des Tages verbringen wir dann dort am Strand.

Am nächsten Morgen geht’s dann nach ausgiebigem Müsli-Frühstück (das erste richtige Müsli seit 3 Monaten ;-)…) wieder mit dem Taxi los. Wir fahren in die Innenstadt von Elmina, wo die Sklavenburg steht, die wir heute besichtigen wollen. Wir bekommen eine sehr interessante Führung durch die komplette Burg und ich bin geschockt wie hier einst Menschen behandelt wurden. Theoretisch kennt man zwar die Geschichte, aber direkt am Ort des Geschehens zu sein ist noch einmal etwas ganz anderes…

Besonders schockiert hat mich, wie Sklavinnen behandelt wurden. Der Gouverneur hatte von seiner Wohnung aus Zugang zu einem Balkon, von welchem er einen perfekten Blick in den Hof der Frauenkerker hatte. Wenn er wollte, so wurden ihm alle Frauen präsentiert, er suchte sich eine aus, diese wurde dann gebadet und eingekleidet und musste dann nach oben in seine Gemächer kommen. Wurde eine Sklavin schwanger, so wurden Mutter und Kind in ein Haus in der Stadt ausquartiert bis das Kind alt genug war um zur Schule zu gehen, dann kam die Mutter zurück zu den anderen Sklavinnen. Für diese Kinder wurden die ersten Schulen an der Küste Ghanas gebaut und noch heute ist Cape Coast bekannt für seine vielen guten Schulen und Universitäten.

Für mich ist es unverständlich wie Menschen anderen Menschen so etwas antun konnten und so bin ich entsetzt, dass mitten in diesem schrecklichen Gemäuer eine Kirche steht, in der die portugiesischen Soldaten und Gouverneure sonntags Gottesdienst feierten während unten in den Kerkern Menschen starben.

Am Nachmittag fahren wir dann weiter nach Cape Coast, wo wir die nächsten beiden Tage verbringen werden.

Abends gehen wir dann ins Baobab, ein Restaurant, das uns empfohlen wurde. Es gehört zu einer deutschen Organisation, die sich um behinderte Kids oder solche, deren Eltern zu arm sind, um ihr Kind an eine staatliche Schule schicken zu können, kümmert. Das Konzept beinhaltet eine Schule, an welcher die Kids lesen, schreiben, rechnen und darüber hinaus auch handwerkliche Tätigkeiten wie Batik, Kente weben, nähen,… erlernen, und eben dieses Restaurant. Dort gibt es ausschließlich vegetarische Gerichte, die alle sehr lecker und frisch zubereitet sind ;-). Es bedienen Jugendliche, vermutlich Absolventen der Schule.

Am 21. Dezember stößt dann Lisa Hammer zu uns und gemeinsam besichtigen wir eine weitere Sklavenburg, die sich in Cape Coast befindet. Sie ist um einiges größer als die in Elmina („beherbergte“ 1.000 männliche und 300 weibliche Sklaven) und genauso schockierend…

Samstags geht’s dann quer durch Cape Coast. Ich schaue mir eines der ’Forts’ (= Festung zur Verteidigung der Sklavenburg bei Angriff) und eine katholische Kirche an. Man sieht der Stadt vor allem den Gebäuden den westlichen Einfluss durch die Briten, die Cape Coast als Standort für ihren Handel nutzten, überall an.

Am nächsten Morgen fahre ich dann wieder heim nach Kumasi, um Weihnachten mit meiner Gastfamilie zu verbringen und 2x Lisa und Jenni fahren weiter in die Green Turtle Lodge in der Nähe von Takoradi.

Weihnachten

… oder was davon noch übrig blieb…

Die Wochen vor Weihnachten bekam ich wenn ich fragte, wie denn Weihnachten in Ghana gefeiert würde, immer die gleiche Antwort: man esse besonderes Essen, gehe in die Kirche, die gesamte Familie sei versammelt, es gäbe Geschenke, das ganze Haus sei geschmückt,…

So dachte ich, ich wüsste auf was ich mich einzustellen habe, doch dann die Überraschung am 24. Dezember.

Da ich immer noch nichts von Weihnachten bemerke, frage ich, wann denn jetzt Weihnachten in Ghana anfange, worauf mir von meinem Gastvater erklärt wird, dass die Familie dieses Jahr Weihnachten gar nicht feiern würde ’because of the bad election’. Als ich dann meine, dass der Grund für Weihnachten aber doch ein ganz anderer sei, antwortet er nur, das wisse er, aber sie seien im Moment einfach zu unglücklich um Weihnachten zu feiern. Ohje, und dafür bin ich extra heim gefahren…

„Aber am 25. Dezember geht ihr in die Kirche, oder?!“, frage ich, worauf mir erklärt wird, die Church of Pentecost habe an Weihnachten keine Gottesdienste, außer Weihnachten falle auf einen Sonntag. Im gleichen Satz erwähnt er, dass in Ghana nur vier, der vielen, Kirchen Weihnachten in der Kirche feiern und das seien die Methodisten, Katholiken, Anglikaner und die Presbyterian Church.

Da ich auf keinen Fall Weihnachten dieses Jahr ignorieren möchte, entschließe ich mich einfach mal bei der Metho-Kirche bei uns im Ort vorbeizuschauen und zu fragen, wann sie Gottesdienst haben.

Und so gehe ich am Morgen des 25. Dezembers los zur Kirche. Mir wurde gesagt zwischen 8 und 9 Uhr ginge es los. Doch als ich um kurz nach 9 Uhr die Kirche betrete, sitzen dort erst ca. 10 Menschen, die Weihnachtsliedern aus der Box lauschen. Nach einer Weile kommt dann der Organist und übt noch ein bisschen und die Kirche füllt sich langsam. Um 9.30 Uhr geht’s dann los. Die Kirche ist zwar immer noch bei weitem nicht voll, aber zumindest der Pfarrer und die ’elders’ sind da ;-).

Der Gottesdienst läuft recht ähnlich ab wie unsere evangelischen in Deutschland. Wir singen Gesangbuch-Weihnachtslieder, es gibt eine Predigt, 4 Schriftlesungen, es wird getanzt,… Zwar ist leider alles auf Twi, aber ich kann doch relativ gut folgen, weil ich ja ungefähr weiß um was es geht ;-).

Um 12 Uhr ist der Gottesdienst dann aus und ich gehe wieder nach Hause.

Dort ist es zwar ganz witzig, weil vier der fünf Kinder daheim sind, aber keine Spur von Weihnachten, weil das ja dieses Jahr ausfällt, was ich sehr schade finde und nicht verstehe, wie man als Christen Weihnachten einfach ignorieren kann.

Green Turtle Lodge, Accra, Aveyime und Ho

Am 27. Dezember geht’s dann für mich auch schon wieder los und ich fahre den anderen Mädels in die Green Turtle Lodge hinterher (Carmen stößt 2 Tage später auch noch zu uns). Diese befindet sich in Akwidaa, einem Dorf in der Nähe von Dixcove/Takoradi. Mit dem Bus geht’s von Kumasi nach Takoradi, von dort aus weiter mit dem Trotro nach Agona und das letzte Stück dann mit einem weiteren Trotro über die schlimmste Straße, die ich bisher erlebt habe über Dixcove nach Akwidaa.

Ich wusste zwar vorher schon, dass die Green Turtle Lodge etwas abgelegen ist, aber dass sie so am Ende der Welt ist, habe ich nicht erwartet. Von Dixcove geht es eine starke halbe Stunde auf einer Straße, die diesen Namen eigentlich schon gar nicht mehr verdient. Überall liegen Felsbrocken und Steine, befinden sich Schlaglöcher und ganze Rinnen und immer wieder kommt ein Matschloch. Ich bewundere die Fahrer, die es irgendwie schaffen mit ihren heruntergekommenen Kleinbussen auf dieser Piste voranzukommen und dabei kein einziges Mal irgendwo aufzusitzen oder stecken zu bleiben.

Die ersten Tage gefällt es mir überhaupt nicht in der Green Turtle Lodge. Mein Plan jeden Tag einen Ausflug zu machen, werfe ich bald über Bord, da man immer erstmal mindestens eine Stunde benötigt um überhaupt weg zu kommen und meine Tage ausschließlich am Strand zu verbringen ist mir zu langweilig. Letztendlich machen wir dann doch einige Ausflüge, einen nach Takoradi, den anderen nach Dixcove und Busua und dann noch eine 3-stündige Wanderung zum Cape Three Point. Es gibt dort drei Landspitzen, die ins Meer ragen. Die erste befindet sich in Akwidaa, die letzte in Prince’s Town und die in der Mitte in der Nähe der Ortschaft Cape Three Point. Dort steht ein Leuchtturm, von dem aus man die beiden anderen Arme sehen kann. Die Wanderung dorthin führte uns durch ein Waldstück, an herrlichen Stränden und einigen Dörfern entlang und war sehr schön.

Und dann war das Jahr 2012 auch schon zu Ende…

Silvester wurde in der Green Turtle Lodge mit einer riesigen Party gefeiert, bei der sowohl die (weißen) Gäste als auch die einheimische Bevölkerung des Dorfes vertreten waren.

Typisch ghanaisch zünden sie ihre 3 Böller 10 Minuten nach Mitternacht, aber wir „verpennen“ den Jahreswechsel trotzdem nicht ;-).

Um 23 Uhr sage ich zu Annemarie (eine weitere Freiwillige): „Jetzt fängt in Deutschland 2013 an“. Darauf sie:  😀 „So ist unser Jahr 2012 eine Stunde länger als das, aller anderen!“

Dank Caren und Reese, ein britisches Ehepaar, das drei Wochen über Weihnachten und Silvester in der Green Turtle Lodge verbringt, wurde der Countdown runtergezählt und es gab sogar Sekt zum Anstoßen.

Danach ging die Party weiter, wobei die meisten Ghanaer nicht mehr da waren, da sie den Jahreswechsel in der Kirche begehen.

Um 3.30 Uhr geht’s für mich dann ins Bett, wobei der Schlaf diese Nacht aufgrund eines schnarchenden Zimmergenossen viel zu kurz kommt und sich auf 1-2 Stunden beschränkt.

Um 7.30 Uhr halte ich es dann nicht mehr aus, überlege mir kurz, ob ich etwas hinüberwerfe oder aufstehe, entscheide mich für’s Aufstehen und möchte eigentlich waschen. Doch da es im Moment kein fließendes Wasser gibt, fällt das erstmal aus und ich gehe erstmal frühstücken.

Nach leckerem Frühstück und erfolgreichem Waschen geht’s dann gegen Mittag mit einigen anderen Freiwilligen, die ich in der Green Turtle Lodge kennen gelernt habe, zu einer nahegelegenen Bucht. Dort geht es ganz flach ins Wasser und die Wellen sind nicht so hoch. So kann man recht gut schwimmen und sich länger im Wasser aufhalten ohne völlig erledigt zu sein ;-).

Am Abend gibt’s dann Pizza mit Salami und Pilzen und so endet ein sehr gelungener 1. Januar, den ich so schnell nicht vergessen werde.

Am nächsten Morgen geht es für uns 5 weiter nach Accra, wo wir zwei Nächte bleiben werden.

Am 3. Januar unternehmen wir einen Ausflug auf den Beads-Market nach Koforidua. Das ist ein Markt, auf dem es Beads (= aus Altglas hergestellte und anschließend bemalte Perlen), daraus hergestellte Armbänder, Ohrringe, Schlüsselanhänger,… ohne Ende zu kaufen gibt.

Am 4. Januar geht’s dann weiter nach Aveyime, einem Dorf am Ufer des Volta-Rivers. Am nächsten Morgen überqueren wir diesen in einem großen Kanu und fahren dann mit dem Trotro weiter nach Ho, der Hauptstadt der Volta Region. Sonntags besuchen wir das Kalakpa Wildlife Sanctuary in der Nähe von Ho. Dort soll es laut Reiseführer Antilopen, Büffel, Waldkatzen, Wildschweine und –kaninichen, Affen,… geben. Doch da gerade Trockenzeit ist wurde die ganze vertrocknete Graslandschaft abgebrannt, damit wenn es wieder regnet neues Gras wachsen kann. Deshalb haben sich die Tiere auf einen bewaldeten Hügel zurückgezogen, auf den man nicht gehen kann. So sehen wir leider kein einziges dieser Tiere, dafür aber viel Wald und einige fremdartige Pflanzen. Leider ist Famous (so hieß er wirklich), der Ranger, der mit uns durch’s Schutzgebiet wandert nicht so richtig motiviert. Nach einer Stunde meint er wir können ja nun wieder zum Ausgang zurückgehen. Wir erwidern, dass wir schon gerne noch ein bisschen mehr sehen würden, worauf er mit uns eine weitere Stunde über die abgebrannten „Wiesen“ läuft, um uns dann zu erklären, dass wir sowieso kein Tier sehen würden… Nach zweieinhalb Stunden ist die Tour dann endgültig zu Ende, denn Famous möchte keinen Schritt mehr weiterlaufen und ist entsetzt, dass wir noch so fit sind und gerne weiterlaufen würden – „Do you want to kill me?!“ 😀

Für uns geht’s dann mit dem Taxi wieder zurück nach Ho und von dort aus gleich mit dem Trotro weiter nach Kpetoe, das für das Herstellen von Kente bekannt ist.

Wir fragen zwar mehrmals und mehrere Personen, ob die Weber wirklich auch sonntags arbeiten und uns wird versichert, sie würden arbeiten, doch als wir im Kente-Dorf ankommen, sind die Webstühle natürlich nicht besetzt ;-).

Es kommen dann aber sofort einige der Dorfbewohner mit ihren Kente-Stoffen angerannt als sie die 5 Obrunis erblicken und so können wir dann zwischen einigen schönen Stoffen wählen. Der Fahrer und Mate (= Junge, der das Fahrtgeld kassiert und die Passagiere ein- und aussteigen lässt) des Trotros, das uns hergebracht hat, sind total nett. Sie warten extra für uns und fahren dann erst wieder nach Ho zurück.

Der 7. Januar beginnt für mich sehr früh morgens. Um 3.30 Uhr stehe ich auf und fahre mit einem LKW-Fahrer, der mit der Besitzerin unseres Hotels befreundet ist, zum Busbahnhof. Um 4 Uhr bin ich dort und es stehen bereits etwas mehr als 80 Menschen in der Schlange für den Bus nach Kumasi, von dem bisher noch jede Spur fehlt. Also heißt es erstmal warten. Um 5 Uhr werden dann an die ersten 60 der Schlange Tickets für den ersten Bus nach Kumasi, der mittlerweile eingetroffen ist, verkauft. Kurz darauf (5.30 Uhr) kommt dann der zweite Bus und wir bekommen unsere Tickets. Mittlerweile stehen hinter mir noch mal ca. 100 Menschen, die alle nach Kumasi wollen. Normalerweise gibt es nur 2 Busse täglich, die von Ho nach Kumasi fahren. Es sei denn die Nachfrage ist so groß, dass noch weitere voll werden. Ich sitze dann also im zweiten Bus und verlasse Ho um 6.15 Uhr. Eine Zollkontrolle, 2 Pausen, einige Berge auf und ab, viele schöne Landschaftseindrücke und 8 Stunden später komme ich dann in Kumasi an.

Um 15 Uhr bin ich dann gar nicht mal so erledigt wie erwartet daheim in Tanoso an, wo mich meine Gastfamilie mit „Welcome!“ begrüßt.

2. Term – Schulbeginn

Heute (8. Januar) hat die Schule hier nun wieder begonnen.

Es passiert aber noch nicht viel, da die erste Woche eines Terms immer mit der Säuberung des kompletten Schulgeländes verbracht wird.

Am Freitag sollen dann die ’report cards’ (= Zeugnisse des 1. Terms) fertig sein, so bin ich gerade noch dabei die Noten auszurechnen und in die Zeugnisse einzutragen.

Ansonsten hoffe ich, dass ich die Bibliothek, die zwar mit sehr vielen Büchern ausgestattet, aber nie geöffnet ist, zum Laufen bekomme.

Voraussichtlich beginnt der reguläre Unterricht erst ab nächste Woche Montag, aber da sind sich die Lehrer nicht so ganz einig – vielleicht auch schon morgen…

Es tut mir leid, dass ich so selten schreibe und euch dann immer mit solchen Romanen erschlage… =(

Zur Zeit fehlt mir einfach die Zeit mich öfter an einen Blogeintrag zu setzen und wenn ich dann Zeit finde, dann gibt es soooooooooooo viel zu erzählen ;-).

Seid ganz <3-lich gegrüßt

eure Anja

Halbzeit

Vor ca. einer Woche war Halbzeit – heißt: ich bin jetzt schon 3 Monate hier und exakt heute in 3 Monaten lande ich in Deutschland… 😉

Aber nun zu meinen Erlebnissen der letzten Wochen.

Erstmal zur Schule. Das Schuljahr in Ghana ist in 3 Terms aufgeteilt und am Ende jedes Terms werden Examen geschrieben. Der erste Term endet vor Weihnachten, so war letzte Woche Examen schreiben angesagt. Vor 5 Wochen wurde mir gesagt, ich habe ein ’exam’ zu erstellen, das ich dann von Hand geschrieben abgeben müsse, damit sie es zum ’typer’ geben können, dann käme es zu mir zurück zum Korrektur lesen und dann würde es von meinen Schülern geschrieben. Die Realität sah dann so aus, dass der ’typer’ erstmal 3 Wochen brauchte um die 30 Fragen zu tippen, ich sie mit sehr vielen Fehlern zum Korrekturlesen bekam, zurückgab und sie nicht mehr gesehen habe bis meine Schüler das Examen schreiben mussten.

So waren dann im Endeffekt immer noch Fehler auf dem Aufgabenblatt des Examens zu finden, doch mittlerweile war es schon für alle kopiert… 😉

Dienstag und Donnerstag letzte Woche verbrachte ich dann mit dem Korrigieren der 120 Examen meiner 7. Klassen. Glücklicherweise sind die Ergebnisse nicht so schlecht, wie ich erwartet habe… Das liegt aber wohl vor allem daran, dass das Niveau sehr niedrig war… Nächste Woche muss ich meinen Schülern dann noch Zeugnisnoten (oder so was ähnliches) ausstellen, die sich aus dem Examen und den ’exercises’ ergeben. Nächsten Donnerstag, den 13. Dezember beginnen dann hier die Ferien.

Der 23. November war mal wieder ein ’socialisation Friday’. So nahm mich die Headmistress zu einer Veranstaltung mit, bei der alle Schulen des Bezirks vertreten waren. Jede Schule wurde von 10-20 Schülern repräsentiert, die eine Region Ghanas darstellten. Es war sehr interessant die verschiedenen Traditionen und Tänze der einzelnen Regionen zu sehen. So bekam ich noch einmal einen ganz anderen Einblick in die Kultur des Landes.

Während der Zeit der Examen nahm ich mir dann zum ersten Mal seit ich hier bin 3 Tage frei von der Schule um endlich einmal in die Hauptstadt von Ghana, Accra, fahren zu können.

Am 28. November geht es also los auf meine erste „Reise“. Eigentlich möchte ich um 5 Uhr aufstehen, damit ich um 6 loskomme. Aber typisch ghanaisch (oder doch typisch Anja ;-)…) stehe ich erst um 5.30 Uhr auf und los geht’s dann um 6.45 Uhr. An der Trotro-Station in Tanoso treffe ich dann noch auf drei meiner Schüler: „Oh, Madam, you are travelling!“. Nicht ganz so geschickt, denn am Tag zuvor habe ich noch einen Schüler zurechtgewiesen, dass er bei den Examen da zu sein habe, da er mir erzählte, er verreise während den Examen um seine Mutter zu besuchen. Mit dem Trotro geht’s dann zur Busstation, wo die MMT-Busse nach Accra abfahren. Dort komme ich um 7.30 an und warte eine Stunde bis der Bus dann losfährt. Nach 5 Stunden Fahrt erreiche ich Accra, besser gesagt Achimota, einen Stadtteil Accras. Dort holt mich Anna-Lena ab und gemeinsam geht’s nach Pillar 2, wo sie wohnt. Anna-Lena ist auch als Freiwillige in Ghana und arbeitet im Chosen Rehab Center, einem Zentrum für Suchtkranke. Untergebracht ist sie in einer Gastfamilie, zusammen mit Leonie, einer zweiten Freiwilligen. Die folgenden 5 Tage wohne ich also bei den beiden.

Am Donnerstagmorgen wird erstmal ausgiebig europäisch gefrühstückt – richtig lecker mit Pfannkuchen, „Nutella“ (= Choco Delight), Marmelade, Brot und Kaba. Dann gehen wir los. Zuerst geht’s zur TrashyBagFactory. Dort werden Taschen, Geldbeutel, Mäppchen, Kulturbeutel,… aus alten Plastikverpackungen hergestellt. So z.B. aus Trinkwasser-Tüten, LKW-Planen, Eisverpackungen,… So entsteht hier aus Müll (und davon hat Ghana mehr als genug) wiederum etwas Schönes, das man wieder verwenden kann.

Danach geht’s für uns weiter zum Makola Market. Hier gibt es Stoffe ohne Ende, Gemüse, Kleidung, Schuhe,… Von der riesigen Auswahl sind wir so überrumpelt, dass wir es heute einmal beim Umschauen belassen.

Direkt an den Markt angrenzend befindet sich die Makola Shopping Mall – die afrikanische Variante eines Shoppingcenters – mit einer großen Auswahl an Stoffen, 2nd-Hand-Kleidung,…

Dann geht es zu Fuß weiter zum Arts Market. Dort gibt es alles, was das Touri-Herz höher schlagen lässt 😉 – Souvenirs von A-Z, afrikanischen Schmuck, traditionelle afrikanische Kunst,… Etwas überrascht bin ich, dass wir so gut wie die einzigen Weißen (und so gut wie die einzigen Besucher überhaupt) auf dem Markt sind, weshalb uns jeder der Verkäufer in seinem Stand haben möchte und dann versucht den doppelten Preis zu verlangen. Das ist am Anfang relativ nervig, doch nach einiger Zeit haben wir uns daran gewöhnt und handeln was das Zeug hält. Jetzt macht es richtig Spaß und wir erstehen einige schöne Sachen ;-). Kurz vor der Dämmerung geht es dann mit 3 verschiedenen Trotros von einer Station über eine andere quer durch Accra völlig erledigt aber glücklich nach Hause. Der Tag war richtig schön und erlebnisreich!

Am Freitag gehe ich dann mit Anna-Lena in ihr Projekt. Normalerweise gehen sie montags, mittwochs und freitags ins Ghetto um „Werbung“ für’s Chosen Rehab Center zu machen, doch diese Woche gehen sie täglich in die Kirche zum ’prayer meeting’. Im Chosen Rehab werden die Menschen allein durch den Glauben von ihrer Sucht geheilt, das finde ich sehr faszinierend.

Also gehe ich heute mit ihnen zum ’prayer meeting’, das in einer riesigen Kirche stattfindet, die leider so gut klimatisiert ist, dass ich trotz mitgebrachtem Pulli fast erfriere. Nach 3 Stunden Kälte (ein Ende ist noch nicht in Sicht) halte ich es dann nicht mehr aus und gehe nach draußen, wo Anna-Lena und 2 Männer des Chosen Rehab Armbänder, Blumentöpfe und andere selbsthergestellten Dinge versuchen zu verkaufen.

Nachdem das ’prayer meeting’ dann nach 5 Stunden zu Ende ist, wird erst einmal gegessen und danach beginnt die Arbeit für die Mitglieder des Chosen Rehab. Es werden Tische und Stühle geschleppt, geputzt, aufgeräumt und zwischendurch ziemlich viel Pause eingelegt oder einfach mal eine Weile den 2 Obrunis beim Arbeiten zugeschaut 😉 – so ist die Arbeitsmoral hier eben.

Alles in allem gefällt mir der Tag aber richtig gut. Die erwarteten blöden Sprüche und dummen Kommentare blieben aus und auch sonst bin ich positiv überrascht, dass alle so „normal“ sind, gar nicht so wie man sich Suchtkranke vorstellt. Außerdem treffe ich hier auf den ersten Ghanaer, der Ironie versteht :D.

Um 15 Uhr gehen wir dann weiter zur Accra Mall. Dort angekommen bin ich zuerst einmal völlig überrumpelt, denn hier steht doch tatsächlich ein richtiges europäisches Einkaufszentrum (wenn auch kleiner) mitten in Ghana… Es gibt Klamottenläden mit festen Preisen, einen Supermarkt, einen McDonalds- und Pizza-Hut-Verschnitt,… Mir gefällt es hier aber überhaupt nicht, da so ein Einkaufszentrum für mich einfach nicht nach Afrika gehört ;-).

Wir beschränken uns dann auf’s Pommes essen und den Supermarkt, wo wir uns noch ein Eis (made in Ghana) kaufen.

Als wir die Accra Mall verlassen bin ich froh, wieder im „richtigen“ Ghana zu sein und so schnell werde ich hier nicht mehr herkommen ;-).

Am Samstag machen wir dann den ersten Ausflug zu dritt (Anna-Lena, Leonie und ich), da Leonie an einer Schule arbeitet und so die letzten zwei Tage nicht mitkonnte. Gemeinsam geht’s zu einer Beads-Factory. Beads sind aus Altglas hergestellte Perlen. Zuerst wird das Glas zermalmt, dann mit Kleber gemischt in Formen gefüllt, im Ofen gebrannt, danach mit Mustern bemalt und nochmals gebrannt – alles pure Handarbeit.

Geplant haben wir am Sonntag an den Strand zu fahren, doch da es morgens bewölkt und nicht so warm wie sonst ist, sind wir uns nicht sicher, ob wir gehen sollen. Um 10 Uhr sind die Wolken dann aber verschwunden und wir gehen los. Mit dem Trotro geht’s nach Kokrobitey, wo wir dann um 12 Uhr ankommen. Der Strand ist sehr beliebt bei Volunteers und Touristen, so sind ca. die Hälfte der Menschen dort Weiße. Nach kurzem Aufenthalt im Wasser wird dann aber der Himmel schwarz und es beginnt zu regnen. Wir stehen also unter und nach einer Stunde kehren wir wieder zum Strand zurück.

Am Montag ging’s dann leider auch „schon“ wieder heim. Ich habe die Zeit  in Accra sehr genossen. Endlich habe ich mal etwas anderes von Ghana gesehen als die Gegend um Kumasi und richtig was erlebt =).

In vollem Vertrauen in den Reiseführer gehe ich um 9 Uhr los zur Kaneshie-Station, wo angeblich die Busse nach Kumasi abfahren sollen. Doch dort erfahre ich, dass hier nur die Busse nach Cape Coast, Obuasi,… und nicht die nach Kumasi abfahren. Ich solle zum Circle gehen. Glücklicherweise treffe ich aber jemanden, der auch nach Kumasi geht und mit dem ich dann zum Circle fahre. Er meint dann, dass er immer mit dem Trotro nach Kumasi fahre, da das billiger sei als Bus fahren. Also fahre ich heute also mit einem Reisetrotro von Accra nach Kumasi. Nach 5 Stunden Fahrt, 3 Polizeikontrollen (wegen den Wahlen) und 4 Filmen (einer schlechter wie der andere) komme ich dann relativ erledigt in Kumasi an. Dort erwartet mich an der Trotro-Station Kejetia eine Schlange von ca. 60 Leuten, die alle nach Tanoso/Abuakwa wollen. Also heißt es 2 Stunden warten und um einen Trotro-Platz kämpfen. Zwar stehen die Menschen hier immer in einer Schlange, doch sobald ein Trotro kommt rennen alle los und die Reihenfolge in der Schlange ist nicht mehr von Bedeutung… 😉

Um 20.30 Uhr bin ich dann endlich wohlbehalten aber erledigt daheim in Tanoso.

Gestern war ’election day’ – es wurde der neue Präsident gewählt. Schon seit einigen Wochen befindet sich Ghana im Wahlkampf-Fieber. Jeder hat über die kommenden Wahlen, die verschiedenen Parteien,… geredet.

Die zwei größten Parteien sind NDC (National Democratic Congress) und NPP (New Patriotic Party). Die letzten 4 Jahre war die NDC an der Macht (zuletzt Präsident: John Mahama). Der Großteil der Ashantis (in deren Region ich mich befinde) gibt seine Stimme nun aber der NPP, da diese zum einen die SeniorHighSchools kostenlos machen möchte und zum anderen die Infrastruktur und Ghanas Wirtschaft verbessern möchte („the more intelligent people vote for NPP“). Doch laut meinem Gastvater arbeitet die NDC mit Betrug um Wahlen zu gewinnen, besticht Menschen und sei durch und durch korrupt („die Politiker arbeiten nur für ihren eigenen Vorteil, nicht dafür, dass Ghana voran kommt!“). Leider gäbe es zu viele Menschen in den anderen Regionen Ghanas, die wenn man ihnen 20 Cedi (weniger als 10€) oder einen Sack Reis geben würde, ihre Stimme der NDC geben. Er meinte: „We have to pray a lot that the NPP will win the election!“

Vor zwei Wochen erklärten mir ein paar meiner Schüler den Unterschied zwischen NPP und NDC. John Mahama (NDC) hätte jedem Schüler 10 ’exercise books’ gegeben, Nana Addo (NPP) dagegen jedem nur eines. Welcher sei nun besser als Präsident? Nein, nicht Mahama, es sei Addo, da Mahama nur versuche alle zu bestechen um die Stimmen zu bekommen und danach alle seine Ziele über Bord wirft. Nana Addo dagegen werbe für ’quality and free education’. Ich solle also meine Stimme unbedingt der NPP geben :D. Ich erklärte ihnen dann, dass es mir leider nicht erlaubt sei in Ghana zu wählen, ich aber meine Stimme für ’free education’ geben würde ;-).

Heute ist Samstag und das Ergebnis der Wahlen steht noch nicht fest, da es wohl einige Problem gab und einige Menschen deshalb heute noch wählen müssen, da es gestern nicht funktioniert hat. Ich bin mal gespannt, wann wir wissen, wer der neue Präsident ist Nana Addo (NPP) oder John Mahama (NDC).

So, das waren jetzt die neuesten News aus Ghana 😉

Wünsche euch eine ruhige und besinnliche Adventszeit!

Eure Anja

Mein „neuer“ Alltag

Heute möchte ich euch ein bisschen beschreiben wie meine Tage hier so aussehen.

Zuerst einmal zu meinen Arbeitstagen. Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag bin ich immer von 7.30 bis 14 Uhr (oder manchmal auch länger) in der Schule. Dort unterrichte ich täglich 4 Schulstunden à 35min Französisch – habe also 2 meiner 4 Klassen für jeweils eine Doppelstunde. Zwischen den beiden Doppelstunden korrigiere ich dann ’exercises’ meiner Schüler, rede oder diskutiere mit den Lehrern, lerne Twi oder sitze rum, weil ich auf etwas oder jemanden warte. Doch langweilig wird es mir mittlerweile eigentlich nicht mehr (zumindest nicht oft) ;-).

Der Freitag ist aber bisher nur theoretisch wie die anderen Schultage. Praktisch gab es in den 11 Wochen Schule, die nun vorüber sind höchstens 3 ganz normale Freitage mit Unterricht von der ersten bis zur letzten Stunde. Ansonsten ist immer mal wieder ein Feiertag – manchmal ist bekannt warum, manchmal nicht 😉 – oder ein Fußballspiel gegen eine andere Schule, bei dem dann zwar nur 11 Schüler der ganzen Schule mitspielen, alle anderen aber auch keinen Unterricht haben. Ich habe mir erklären lassen der Freitag werde hier als ’socialisation day’ genutzt. Das heißt, man bringt den Kids etwas über Kultur oder ähnliches bei. Ein Lehrer erklärte mir, ghanaische Kinder seien anders nicht zum Lernen zu begeistern, als dass man immer wieder Tage zur ’socialisation’ einlegt. Mir kommt es aber eher so vor, als wäre das Nichtstun eher im Interesse der Lehrer als der Schüler, aber das nur so nebenbei ;-).

Oftmals haben alle Lehrer während der Schulzeit ’staff meeting’. Das bedeutet dann, dass alle Lehrer (mich eingeschlossen) im Lehrerzimmer sitzen und über vorhandene Probleme reden. Was mich dabei immer wieder erstaunt ist, dass einige der Lehrer ’problems of Ghanas schools’ sehr gut erkennen und ansprechen, aber geändert oder verbessert wird leider trotzdem nichts.

So habe ich nun erfahren (auf Nachfrage), dass die Bibliothek der Schule nie geöffnet sei, weil ein Teil der Bücher nicht gestempelt sei und zu wenig Regale vorhanden seien. Die Headmistress meinte dann, eigentlich sei das aber kein Problem, man könne die Bibliothek ja trotzdem provisorisch öffnen, aber das waren dann leider mal wieder nur Worte ohne Taten. Ein anderer Lehrer, den alle Onkel Moses nennen, weil sein Nachname anscheinend zu schwer zum Aussprechen ist :D, und mit dem man sehr gut über alles rund um Ghanas Schulen reden kann, erklärte mir dann, das das eigentliche Problem sei, dass hier an der Schule jeder Lehrer nur an seinem eigenen Fach interessiert sei und das niemand freiwillig die zusätzliche Arbeit in der Bibliothek machen möchte. Na super – da hat eine Schule schon eine Bibliothek MIT Büchern und dann scheitert alles an der Faulheit der Lehrer… =( Ich hoffe, dass sich da noch was machen lässt…

Während der ’staff meetings’ sind die Klassen dann unbeaufsichtigt in ihren Klassenzimmer und lernen ’on their own’ (behaupten zumindest die Lehrer). In Wirklichkeit sieht das dann so aus, dass der Klassensprecher die ganze Tafel mit irgendwelchen Informationen zu einem Thema voll schreibt und die Klasse das dann in ihre ’notebooks’ kopiert. Meistens sind das relativ anspruchsvolle englische Texte und ich bezweifle, dass die Schüler diese verstehen, wenn sie schon meine einfachen englischen Sätze oftmals nicht verstehen. Aber darauf legt hier auch keiner Wert, hier wird alles „nur“ auswendig gelernt und dann wiedergegeben.

Zwischen 14.30 und 15 Uhr komme ich dann meistens nach Hause. Manchmal bin ich so erledigt, dass ich einfach nur noch (ganz ghanaisch) nichts tun möchte und daheim bleibe. Dann helfe ich kochen, bereite meinen Unterricht vor, lese, chille,… Doch meistens besuche ich die anderen 4 in Denchemouso, sie kommen nach Tanoso und wir treffen uns da irgendwo oder wir gehen gemeinsam wohin.

Ein paar Mal waren wir bei 2x Michael und Frank, 3 Studenten der Uni in Tanoso, die wir über Matthias kennen gelernt haben. Bei ihnen haben wir dann zusammen ghanaisch gekocht und gechillt.

Nun zum Mittwoch, meinem freien Tag. Um 6.30 Uhr geht’s raus aus den Federn und in den Garten zum Zähneputzen. Um kurz vor oder nach 7 Uhr verlassen dann alle außer mir (z. Zt. sind das meine Gasteltern und Millicent) das Haus in Richtung Schule. Für mich heißt es dann erstmal Weißwäsche und Handtücher einweichen und danach wird gefrühstückt. Mein Frühstück besteht meistens aus Brot (mal getoasted mal nicht) und Honig oder Bananen. Dann geht die Waschprozedur los: zuerst wird die Buntwäsche gerubbelt und geschrubbt bis alle Flecken und unschönen Gerüche nicht mehr vorhanden sind, danach dann die Weißwäsche und ganz am Ende die Socken, die mittlerweile zwar eine Stunde eingeweicht wurden, aber immer noch nur schwer bis gar nicht wieder weiß zu bekommen sind. Normalerweise hänge ich dann alle meine nassen Sachen an die Wäscheleine im Garten, doch da dort gerade ein neuer Raum gebaut wird und sie deshalb nicht mehr steht, habe ich gestern das erste Mal meine Wäsche richtig ghanaisch getrocknet. Heißt: man legt einfach alle gewaschenen Sachen auf den Rasen im Garten und wenn die eine Seite trocken ist, wird gewendet ;-). Zu meinem Erstaunen trocknen die Sachen so viel schneller. Alles in allem bin ich dann nach eineinhalb bis zwei Stunden fertig mit Waschen für eine Woche =).

Danach koche ich mir dann meistens kurz etwas oder mache mir den Rest vom Vortag warm und danach gehe ich (mal mit mal ohne die anderen) in die Stadt, also nach Kumasi rein. Dort geht’s dann ins Cultural Centre, in den Supermarkt, zur Post,… und danach meist noch für mich nach Denchemouso. Meinen freien Tag genieße ich und bin sehr froh, dass ich ihn habe, da Unterrichten hier doch sehr anstrengend und der Tag so gut wie vorbei ist, wenn ich um 15 Uhr heimkomme.

Ghanaische Samstage sind „vollgestopft“ mit verschiedenen Veranstaltungen. Hochzeiten, Verlobungen und Beerdigungen sind grundsätzlich samstags. Mein Gastvater meinte, man müsse aufpassen, dass man nicht den ganzen Samstag von einer Beerdigung zur nächsten und dann noch zwischendurch zu einer Hochzeit müsse, weil man den Samstag eigentlich ’to rest’ bräuchte, um sich von der anstrengenden Schulwoche zu erholen (er ist auch Lehrer).

Meine Samstage hier sehen aber meistens folgendermaßen aus: entweder ich mache mit den anderen einen Ausflug in die nähere Umgebung (davon habe ich euch ja letzten Blogeintrag berichtet) oder ich ’joine’ meine Gastfamilie zu einer Verlobung oder Hochzeit.

Sonntags geht’s dann morgens in die Kirche. Ich werde immer wieder von jemand anderem eingeladen, so bekomme ich einen Einblick in die Unterschiede der einzelnen Kirchen hier. Alles in allem sind die Gottesdienste der verschiedenen Kirchen hier aber recht ähnlich. Was für mich etwas ungewohnt ist, ist, dass wirklich jeder hier Mitglied einer Kirchengemeinde ist und auch (fast) alle Ghanaer sonntags in die Kirche gehen. Generell spielt der Glaube im Leben der Menschen hier eine sehr große Rolle.

Wird man z.B. gefragt, wie das Wochenende war oder wie man geschlafen habe letzte Nacht und man antwortet „Gut!“, dann folgt sofort der Satz „Thank God!“. Oft hört man auch auf die Frage „How are you?“ die Antwort „By God’s grace, I’m fine!“. Gedankt wird in Ghana mit den Worten „God bless you!“, wenn man jemandem etwas schenkt oder Gutes tut.

So ist der Glaube der Menschen hier in ihrem Alltag sehr präsent. So gibt es montags, mittwochs und freitags von 8 – 8.15 Uhr in der Schule eine ’Assembly’, bei der sich die komplette JHS vor dem Schulgebäude nach Klassen geordnet aufstellt, zuerst die Nationalhymne, dann ein anderes Lied („Good morning Jesus, good morning Lord,…“) singt und zum Schluss das Vater unser betet. Danach marschieren sie dann singend in ihre Klassenzimmer.

Sehr warme Grüße ins kalte Deutschland =)

von eurem immer-dunkler-werdenden Obruni 😉

Anja

10 Wochen – endlich mal wieder ein Lebenszeichen ;-)

Endlich mal wieder ein Lebenszeichen von mir… =)
Viel zu viel Zeit ist vergangen seit meinem letzten Blogeintrag… Das tut mir leid und ich hoffe, dass ich in Zukunft wieder öfter Zeit finde einen zu schreiben… Doch die Zeit vergeht hier nicht wie erwartet nur schleichend, sondern rasend schnell. Das ist aber eigentlich ganz gut so, denn so kann ich meine Zeit hier genießen und freue mich trotzdem auch wieder auf daheim ;-).

Mittlerweile ist der Alltag eingekehrt und mit ihm auch der gewohnte Stress. Zwar ist mein Leben hier bei weitem weniger stressig als das in Deutschland, aber viel zu tun habe ich mittlerweile trotzdem.

Schule

Nach wie vor bin ich der 2. vollwertige French-teacher an meiner Schule. Mir wurde zwar gesagt, dass „bald“ ein weiterer kommen wird, doch das ist auch schon wieder mindestens 4 Wochen her ;-). Ich rechne eigentlich sowieso nicht damit, dass er oder sie kommt solange ich hier bin, denn im Moment klemmt es ja eigentlich gar nicht, weil sie ja mich haben 😉 und so bemüht sich auch niemand darum schnell zu einem weiteren French-teacher zu kommen. Alles in allem ist es mir aber ganz recht, dass ich mir fest zugewiesene Klassen regelmäßig unterrichte. So kenne ich die Kids mittlerweile schon recht gut und das Unterrichten klappt auch immer besser. Gerade bin ich dabei die ganzen Namen zu lernen. Und das ist bei ca. 160 Schülern schon ne echte Herausforderung… Außerdem sind es zum Teil für mich sehr seltsame Namen. Zum einen gibt es Namen, die irgendwelche englischen Titel darstellen (Lord, Prince,…), dann gibt es „normale“ englische Wörter als Namen (Blessing, Miracle, Bestluck,…), dann einige für mich fremde ghanaische Namen (Kwadwo, Kwaku, Atta, Anima,…), biblische Namen (Ezekiel, Moses, Daniel, Samuel,…) und dann noch einige geläufige englische Namen (Richard, Yvonne, Victoria, Michael, John,…).
Von zwei Klassen kann ich die Namen schon relativ gut, was das Unterrichten gleich mal viel leichter macht, da man viel leichter ermahnen, aufrufen,… kann (aber das kennt ihr ja…). So habe ich den Satz „Madame, please use the cane!“ jetzt schon mindestens 2 Wochen nicht mehr gehört, weil ich 3 meiner 4 Klassen mittlerweile (meistens) ziemlich gut ruhig bekomme, wenn ich das möchte ;-).
Da bin ich sehr froh darüber, denn ich hoffe ja immer noch, dass die Schüler und Lehrer merken, dass man auch ohne Stock unterrichten bzw. lernen kann und das vielleicht sogar besser als mit.
Unglaublich erscheint es meinen Schülern, dass ich noch nie in meinem ganzen Leben mit dem Stock geschlagen wurde. Ich habe ihnen erklärt, dass ich vom Schlagen nichts halte und sie deshalb auch nicht schlagen werde und dass in deutschen Schulen kein Stock benutzt wird. Die Lehrer erklären mir immer wieder, wenn wir mal wieder über das Schlagen mit Stock diskutieren, dass deutsche Schüler wohl viel lieber und artiger seien als ghanaische und man sie deshalb gar nicht bestrafen müsse :D. Ich erkläre ihnen dann, dass es in Deutschland sowohl unartige Schüler, als auch Strafen gäbe, aber eben andere. Ob das nun zu spät in die Schule kommen, die Hausaufgaben nicht machen, reden oder essen im Klassenzimmer,… ist, ist hier ganz egal – bestraft wird so gut wie immer mit Schlägen. Immerhin gibt es ein paar Lehrer, die vom Schlagen genauso viel halten wie ich und die Kids deshalb anders bestrafen. So wirklich „besser“ sind diese Strafen zwar nicht (’urinating place’ putzen, auf den Knien am Eingang des Klassenzimmers sitzen oder zwei Seiten „I am not allowed to talk in class!“ schreiben), aber immerhin keine Schläge.
An meiner Schule wird auch samstags unterrichtet. Bisher dachte ich, das sei freiwillig, weil immer ein paar meiner Schüler dort waren, andere aber nicht. Letzte Woche erfuhr ich aber dann, dass der Samstagsunterricht Pflicht sei. Und das lief so ab:
Wie immer war ich am Dienstag in meiner 1B1 als plötzlich zwei Lehrer mit erhobenen Stöcken ins Klassenzimmer marschierten. Sie meinten dann zu mir, dass sie der Klasse kurz etwas sagen müssten. Und zur Klasse, dass alle vorkommen sollen, die am Samstag nicht da waren. Was das nun hieß, war mir sofort klar… =(
Sobald Schüler in meiner Gegenwart geschlagen werden sollten, habe ich bisher zu dem jeweiligen Lehrer gesagt, dass ich das Klassenzimmer verlasse, sobald er jemanden schlägt. Für mich ist es schon schlimm genug, die Schläge zu hören, aber dann auch noch zuzuschauen, wie die Schüler zusammenzucken und hin und her hüpfen, das kann und will ich nicht. Bisher hat das immer ganz gut funktioniert, so meinten die Lehrer dann, ich müsse das Klassenzimmer nicht verlassen, sie würden die Kids dann heute nicht oder anders bestrafen. Einige meiner Schüler haben mir rückgemeldet, dass sie es gut finden, dass ich den Stock nicht benutze, weil sie auch der Meinung sind, dass man ohne die ganze Zeit mit dem Stock bedroht zu werden, besser lernen kann. Darüber habe ich mich sehr gefreut und ich hoffe, dass noch viele andere (vor allem auch die Lehrer) zu dieser Einsicht kommen.
Mittwochs habe ich keinen Unterricht und so habe ich die Headmistress gefragt, ob ich daheim bleiben kann. So habe ich jetzt also mittwochs frei. Morgens wird dann gewaschen und mittags gehe ich meistens in die Stadt zum Einkaufen, ins Cultural Centre oder was uns eben sonst so einfällt. Einen Tag in der Woche frei zu haben ist ganz gut, denn ansonsten habe ich unter der Woche nicht wirklich Zeit, da ich von 7.30 – 14 Uhr in der Schule bin.

Nachmittage

Wenn ich dann der Schule um kurz nach 14 Uhr den Rücken kehre, ist es mittlerweile immer sehr heiß (meine Schätzung: 28 – 32°C). Dann heißt es für mich erstmal 15 min heimlaufen. Meistens wir unterwegs mindestens einmal „Bra!“ (= Komm) zu mir geschrien, wonach der Obruni, dann wenn er gerade Lust hat, zu den Menschen, die gerufen haben, geht und eine Weile mit ihnen redet :D. Oft sind das ältere Damen, die weder Englisch verstehen, noch sprechen können. Doch das bisschen Twi, das ich mittlerweile spreche, reicht für eine kurze Unterhaltung und danach verabschiede ich mich dann und gehe weiter.
Zwischen 15 und 16 Uhr gehe ich dann meistens wieder los. Mal geht’s nach Denchemouso zu den anderen, mal ins Zentrum von Tanoso oder was sich eben so ergibt.
Zwischen 18 und 19 Uhr trete ich dann so gut wie immer meinen Heimweg an, da es ab 18 Uhr dunkel ist und ein Obruni so „spät“ nicht mehr alleine von A nach B laufen sollte, weil es ja sooooooo ’dangerous’ sei. Sobald ich später als 18 Uhr jemandem begegne, der mich kennt (und das sind auf meinen gewohnten Wegen mittlerweile einige ;-)…), werde ich gefragt, warum ich heute erst sooooooo spät nach Hause gehe und das ich mich nun aber beeilen solle. Gefährlich ist es hier aber wirklich überhaupt nicht, erst recht nicht, so früh, wenn noch die ganzen Kinder auf den Straßen herum springen und schon von weitem „Obruni!“ schreien. Das einzig „gefährliche“ bei Dunkelheit sind die zahlreichen Löcher und Unebenheiten in den Straßen ;-).

Ausflüge

2 Samstage verbrachten wir in den umliegenden Orten von Kumasi. Dort gibt es einige ehemalige Handwerksdörfer, die mittlerweile zwar zu Vororten Kumasis geworden sind, ihr Handwerk aber immer noch ausüben.
So waren wir am Samstag 6. Oktober in Ntonso, das bekannt ist für seine Färberei. Hier werden Stoffe mit Naturfarben gefärbt und danach mit
Adinkra-Mustern verziert. Jedes Stempelsymbol hat eine eigene Bedeutung. In einem extra für Besucher eingerichteten Zentrum wurde uns erklärt, wie die
Farben aus Baumrinde gewonnen werden und wir durften einen Stoffstreifen mit von uns ausgewählten Symbolen bestempeln. Danach wurden wir dann noch in traditioneller Art und Weise in solch bestempelte Stoffe eingekleidet.

Und am 20. Oktober waren wir dann in Bonwire. Bonwire ist der Geburtsort des Kente-Stoffes. Kente ist eine traditionelle Art zu Weben – es werden verschiedene Symbole (vergleichbar mit den Adinkra-Symbolen) in mehreren Farben in ein Stück Stoff gewebt, was Kente sehr zeitaufwändig macht. Am Webstuhl sitzen traditionell meist Männer. Uns wurde gezeigt wie man den Webstuhl bedient und dann durften wir selbst jeder ein Stückchen weben.

Am Freitag, dem 26. Oktober war dann mal wieder Feiertag. Michael, ein Student der Uni in Tanoso, der letztes Jahr an der GGS in Denchemouso unterrichtet hatte, lud uns ein mit einigen seiner Studenten-Freunde über’s verlängerte Wochenende in die Western Region zu fahren.
So ging es für uns (2x Lisa, Jenny, Jennys Mama und ich) am Donnerstagabend um 22 Uhr zu Fuß in Richtung Tanoso zu Michaels ’home’. Unterwegs trafen wir dann auf einen Geländewagen, der Streife fuhr diese Nacht. Natürlich wurden wir gleich gefragt, was wir (5 weiße Frauen) denn um diese Zeit auf der Straße machen würden. Doch nach kurzem Hinweis darauf, dass es nachts in Ghana für Obrunis zu gefährlich ist um draußen rumzulaufen, durften wir dann weitergehen. Wohlbehalten kamen wir dann bei Michael an und gingen von dort aus weiter zum Uni-Campus. Dort fehlte natürlich von dem Bus und den anderen Mitreisenden noch jede Spur und so hieß es erstmal wieder warten (aber das sind wir ja schon gewohnt…).
Um kurz vor Mitternacht kam dann der Bus und dann wurde eingeladen. Schnell war klar, dass wir nie alle in den Bus passen würden. Der Bus hatte ca. 32 Plätze und wir waren 50 (45 Studenten + 5 Obrunis). Doch das ist in Ghana gar kein Problem. Die Sitzplatzzahl wird einfach durch Holzstühle, die in den Gang gestellt werden, erweitert. So hat dann jede Reihe 5 statt 4 Sitzplätze, die dann wiederum mit 6 Personen befüllt werden (wir saßen als einzige zu fünft auf 5 Plätzen auf der Hinfahrt). Etwa 5 der Studenten standen wirklich die komplette Fahrt (9h) und das ohne jegliche Anzeichen von Müdigkeit. So wurde die ganze Nacht über lautstark gesungen oder sich unterhalten. Mein erhoffter Schlaf kam dadurch etwas zu kurz und beschränkte sich auf ca. 1 Stunde. Am Freitag um 9 Uhr kamen wir dann an unserem ersten Ziel an: Nzulezo. Wir stiegen aus dem Bus aus und standen plötzlich am Strand. Leider regnete es just in dem Moment, doch nachdem alle Erinnerungsfotos mit dem Meer gemacht waren, hörte es dann auch schon wieder auf ;-). Zum Frühstück gab’s dann erstmal Kenkey mit ’fish stew’. Eigentlich hätte es Reis geben sollen, doch der wurde in Tanoso vergessen…
Danach wurden uns allen Schwimmwesten verpasst und dann ging’s los mit Kanus zum Stelzendorf, das wir besichtigen wollten. Die Häuser sehen dort in etwa so aus wie die Pfahlbauten am Bodensee, nur dass es halt ein großes Dorf bestehend aus Häusern auf Stelzen ist, dessen einziger Weg ins und aus dem Dorf übers Wasser führt. Es wohnen dort 700 Menschen und es gibt sogar eine Schule. Bis vor kurzem gab es dort nicht einmal Strom und uns ist unvorstellbar, wie Menschen dort freiwillig leben können. Entsetzt bin ich darüber, dass es hier nicht einmal irgendwelche Geländer, Zäune oder ähnliches gibt. So krabbeln die Kleinsten auf den Holzplanken herum und neben ihnen ist nichts als Wasser…
Am Nachmittag geht’s dann mit dem Bus weiter nach Takoradi (2h). Dort sind wir in drei Räumen einer ’Seventh-Day-Adventist-Church’ untergebracht. Wir erfahren, dass all die Studenten, die dabei sind, Adventisten sind.
Am Samstagmorgen geht es deshalb in die Kirche (Adventisten feiern den Sabbat, nicht den Sonntag). Etwas verwundert bin ich, dass der Gottesdienst dem mir bekannten sehr ähnlich ist (inhaltlich), nur dass er samstags ist und wir insgesamt von 8.30 Uhr bis um 14.30 Uhr im Gottesdienst verbringen.
Danach geht es für uns dann zum ’harbour’ der NAVY in Sekondi-Takoradi. Dort werden uns die Kriegsschiffe von Ghana gezeigt. Zwei der zwölf Schiffe kommen aus Deutschland und da ’Germany’ für ’good quality’ bekannt ist wollen die Ghanaer unbedingt eines der deutschen Schiffe von innen sehen.
Am Sonntag geht es dann wieder heim. Dieses Mal schaffen sie es irgendwie, dass jeder einen Sitzplatz (oder zumindest einen halben) hat, so sitzen auch wir nun zu sechst auf 5 Plätzen, was dann dementsprechend bequem ist ;-). Abwechselnd sitzt deshalb pro Reihe mindestens einer auf die Rückenlehne, damit jeder einen ganzen Sitzplatz hat. Die Rückfahrt dauert dann (warum auch immer) nur 6 Stunden, so sind wir nachmittags schon wieder in Tanoso.

Auch ein viel zu langer Blogeintrag hat mal ein Ende 😉
Ganz liebe Grüße aus Ghana!!!
Bis bald =)
Eure Anja

:D Ghana-Basics ;-)

Da es nichts wirklich „Neues“ zu berichten gibt, möchte ich euch heute ein paar grundlegende Sachen erzählen:

1. Wetter
Entgegen meiner Erwartungen ist es hier nicht die ganze Zeit nur heiß. Morgens hat es so um die 20 Grad schätzungsweise (ein Thermometer habe ich bisher noch nicht gesehen…), nachmittags wird es dann meistens schon richtig heiß (zwischen 25 und 30 Grad – meine Schätzung) und abends kühlt es dann aber immer ab. Wir befinden uns gerade in der Regenzeit. Das heißt, es regnet mittlerweile fast täglich und das relativ stark. So schüttet es dann mal eine halbe Stunde, mal aber auch 2 Stunden. Regen heißt in Ghana, das danach die Straßen eine Weile so gut wie nicht mehr begeh- oder befahrbar sind, da sie sich in Flüsse und Bäche verwandelt haben, was wiederum bedeutet, dass man bei Regen erstmal daheim bleibt und alles Vorgehabte vergisst 😉

2. Essen
Zum ghanaischen Essen kann man vor allem zwei Sachen sagen: Es ist (fast) alles sehr fettig und scharf.
Da ich in einer Gastfamilie lebe, genieße ich täglich ghanaisches Essen. So gibt es meistens Reis mal mit ’tomato-’, mal mit ’vegetable stew’, und so gut wie immer mit Hähnchenfleisch oder Fisch. Manchmal gibt es auch Yam (ähnlich wie Kartoffeln), ebenfalls mit irgendwelchen Soßen. Immer wieder gibt es Spaghetti mit angebratenen Karotten, ’sausages’ und ’garden eggs’ (schmeckt wie Paprika). Das Essen ist echt superlecker und mein Magen verträgt bisher auch alles bestens, darüber bin ich echt froh!

3. Familie
Der Begriff „Familie“ kann in Ghana nicht so verstanden werden wie der der deutschen Familie. Im Haus meiner Gastfamilie wohnen zur Zeit zum Beispiel 3 Töchter von Geschwistern meiner Gasteltern (also Nichten) und ein Mädel, das sie von der Gemeinde kennen. Doch alle sagen „Mum“ und „Dada“ (= Papa). Das ist für mich noch ein bisschen gewöhnungsbedürftig und es hat erstmal auch zwei Wochen gebraucht, bis ich jetzt endlich mal alle Namen den richtigen Gesichtern zuordnen kann und zudem noch weiß, wer hier eigentlich wie mit wem verwandt ist. Es reden auch alle von sich gegenseitig als ’brother’ und ’sister’ auch wenn sie „nur“ Cousine und Cousin sind. Die 5 leiblichen Kinder studieren oder arbeiten auswärts und wohnen so nicht zu Hause, kommen aber immer wieder zu Besuch.

4. Ghanaer
Die meisten Ghanaer sind recht freundlich und grüßen auf der Straße (oder zumindest grüßen sie zurück). ’Welcome’ hört man auch die ganze Zeit, ob ich nach Hause komme oder auf meinem täglichen Marsch durch’s Wohngebiet, stets werde ich gefragt „How are you?“ oder willkommen geheißen.
Die Kinder, denen ich jeden Tag auf dem Weg in die Schule, nach Denchemouso oder sonst wo hin begegne, sind echt witzig. Sobald sie mich erblicken, fangen sie an in voller Lautstärke ’Obrooooooni!!!’ zu schreien und das hält dann an, bis ich an ihnen vorbei gelaufen bin. Jetzt schreien sie ’Obroni, byebye!’ entweder bis sie mich nicht mehr sehen oder ich mich noch oft genug umgedreht und gewunken habe.
Etwas nervig dagegen ist das Zzzzz. Ghanaer zischen einfach unglaublich gerne. Ob weil sie etwas verkaufen wollen, du einfach nur zu ihnen schauen sollst oder aus irgendeinem anderen Grund, Zischen hört man es die ganze Zeit und egal wo man gerade ist.
Aufgrund unserer Hautfarbe müssen wir auch ständig aufpassen, dass wir nicht verarscht werden, denn da ’Obronis’ ja reich sind, verdoppeln viele einfach mal den Preis für alles – so kostet ein Brot dann mal 7 Cedis, anstatt nur wie sonst immer 3 Cedis ;-).
Gewöhnungsbedürftig ist auch, dass jeder dein Freund sein und von dir nach Deutschland mitgenommen werden möchte. Die Meisten stellen sich das Leben in Deutschland total einfach und paradiesisch vor.
Und noch etwas: Ghanaer machen total oft NICHTS. So wird auf alles unglaublich lange gewartet und das stört hier auch keinen. Auch wird sich, wenn man das Bedürfnis eines Nickerchens verspürt, einfach mit dem Kopf auf den Tisch, auf die Bank in seinem Laden, oder auf den Boden gelegt und dann geschlafen. So sieht man wo man auch hinkommt (vor allem in der Mittagshitze) Leute liegen und vor sich hin dösen.

5. Schule
Über die Schule hier habe ich ja schon einiges berichtet…
Im Allgemeinen finde ich es mega anstrengend hier zu unterrichten. Zum einen sind die Klassen viel zu groß, so sitzen dir zwischen 35 und 40 Kids gegenüber. Dazu kommt dann, dass sie es gewöhnt sind für jeden Fehler oder wenn sie laut sind mit dem Stock geschlagen zu werden. Da ich mich weigere sie zu schlagen, habe ich quasi schon verloren und bekomme sie nicht immer leise, wenn ich das gerne hätte. Gebe ich ihnen dagegen eine Aufgabe, die sie in ihrem Heft lösen müssen, sind sie immer total still und konzentriert. Noch dazu kann ich mir die ganzen Namen leider noch überhaupt nicht merken. So weiß ich bisher ca. 5 Namen pro Klasse, was das aufrufen und ermahnen nicht gerade leichter macht ;-).

So, das wär’s für heute =)
Seid ganz <3-lich gegrüßt von eurem ’Obroni’
Eure Anja

1 Monat Ghana…

Jetzt bin ich schon 4 Wochen in Ghana. Entgegen meiner Erwartungen, die ersten paar Wochen würden nur schleppend vergehen, rast die Zeit schon jetzt 😉
Seit letzten Montag gibt es nun den „richtigen“ Stundenplan. Etwas ungeschickt an ihm ist aber, dass Form 1 (7.Klasse) und Form 2 (8.Klasse) immer gleichzeitig Französisch haben, das heißt ich kann gar nicht beide Klassenstufen unterrichten. Als ich dieses Problem mit der Headmistress bespreche, meint sie nur, es müsse halt ein zweiter ’French-Teacher’ her, dann sei das kein Problem mehr. 😀 sehr gut, dass sie das jetzt nach 3 Wochen „Schule“ auch eingesehen hat ;-). Ich frage, wie ich das dann für die Zwischenzeit machen soll, doch darauf antwortet sie nur, ich solle in die Klasse gehen, auf die ich gerade Lust hätte – 😀 alles klar…
Am Dienstag sollte dann eigentlich der andere Französisch-Lehrer vorbeikommen (hätte nicht gedacht, dass sie so schnell einen auftreiben können). Doch er hat wohl heute was Besseres vor und so warte ich vergeblich den ganzen Vormittag. Immerhin unterrichte ich heute 4 Schulstunden Französisch in zwei verschiedenen Klassen. Während des Rumsitzens und Wartens hatte ich dann noch ne relativ komische Begegnung mit einer Frau. Sie kam her und fragte, ob sie mich was fragen könne – na klar! Und so wollte sie wissen, warum wir ’white men’ keine Narben haben (wo sie das gelernt hat, weiß ich auch nicht), ob wir irgendeine Medizin gegen Narben hätten und was sie denn machen könne, damit Narben weg gehen.
An diesem Nachmittag besuche ich dann noch Mercy, eine „Referendarin“ (in Ghana ist das ein bisschen anders mit dem Lehrer werden…), die am Campus wohnt, auf dem auch das Internetcafé ist. Sie lebt gemeinsam mit 3 anderen Studentinnen in einem verhältnismäßig kleinen Raum. In ihm befinden sich 2 Stockbetten, ein Tisch und ein Schrank. Außerdem gibt es einen kleinen Balkon, auf dem sie kochen. So sieht hier also ein Studentenwohnheim aus…
Den Mittwoch verbringe ich dann, da ich nach Stundenplan heute keine einzige Französisch-Stunde habe, mal wieder mit Warten. Dieses Mal auf die Headmistress, die am Tag zuvor meinte, ich solle heute Morgen gleich wenn ich komme zu ihrer ’Office’ kommen. Doch von ihr fehlt weit und breit jede Spur. Immerhin taucht diesen Morgen der ’French-Teacher’ Frank auf. Nach einstündigem Warten auf den Stundenplan (der dann aber immer noch der selbe ist wie am Tag zu vor, obwohl man mir gesagt hatte, man verändere ihn noch mal), möchte Frank dann, dass ich die Form 1 + eine Klasse der Form 2 übernehme und er 2 Klassen der Form 2 und die Form 3 übernimmt. Also erkläre ich auch ihm, dass ich solange dieser Stundenplan gilt, nicht Form 1 UND Form 2 unterrichten kann… Also muss er vorerst die komplette Form 2 und 3 übernehmen, was ihm nicht wirklich passt ;-).
Die Headmistress kam dann übrigens noch um 13.30 Uhr, worauf sie aber 10 Minuten später die Schule wieder verließ, weil sie so ’tired’ sei.
Diesen Nachmittag verbringe ich mit den anderen 4 deutschen Mädels bei Michael, einem Lehrer der GGS. Er wohnt zusammen mit einem anderen Michael und Frank (nicht der ’French-teacher’ ;-)…) zwischen Denchemouso und Tanoso. Wir kochen gemeinsam den ganzen Mittag. So gibt es zuerst Reis mit ’tomato stew’ (scharfe Tomatensoße), dann frittierte Kochbananen mit ’garry and beans’ und später dann noch mal Reis mit irgendeiner Soße.
Während des Kochens legt’s plötzlich los und schüttet wie aus Kübeln. So einen Regen haben wir in Ghana bisher noch nicht erlebt. Wir sitzen auf der Terrasse des Hauses und beobachten wie die „Wege“ (deutsche Trampelpfade) zu Flüssen werden.
Am Freitag war Feiertag, denn es wäre der Geburtstag des ersten Präsidenten. Das heißt für uns wir haben frei und so entscheiden Lisa Pfeffer und ich einen Ausflug zu machen. Wir gehen also am Freitagmorgen los und fahren über Kumasi nach Obuasi, wo sich eine Goldmine befindet, die man besichtigen kann. Es klappt alles gut und so sind wir schon um 11 in Obuasi, suchen uns ein Hotel für die Nacht und gehen zur Mine. Dort wird uns dann aber erklärt, dass am Feiertag keine Führungen stattfinden =(. Wir sollten am nächsten Tag noch mal kommen. Da Obuasi an sich wirklich hässlich ist und wir dort ohne Mine keinen ganzen Tag bleiben wollen, entscheiden wir uns in das Nachbarörtchen Patakro zu fahren, wo es einen bekannten Schrein (UNESCO-Weltkulturerbe) geben soll, zu dem viele Menschen pilgern um zu beten. Nach einer gefühlten Ewigkeit finden wir dann auch irgendwann das richtige Trotro und erfahren, dass es gar kein Trotro direkt nach Patakro gibt und wir irgendwo in ein Taxi umsteigen müssten. Also steigen wir irgendwo dann vom Trotro ins Taxi. Gerade diese 2 Minuten schüttet es wie aus Kübeln. Also sitzen wir dann letztendlich etwas nass im Taxi nach Patakro. Glücklicherweise sitzt Frank (wieder ein anderer) aus Patakro in diesem Taxi. Nachdem wir zahlreiche Male vom Fahrer und den beiden anderen Mitfahrern gefragt werden, ob wir auch wirklich keine Chinesen seien, erreichen wir Patakro. Später erfahren wir dann, dass hier wohl sonst nur Chinesen herkommen. Patakro ist das wohl afrikanischste Dorf, das man sich vorstellen kann. Abgeschieden von jeglicher Zivilisation führt nur eine Straße ins Dorf und endet dort als Sackgasse. Als wir nach dem berühmten Schrein fragen, guckt man uns erstmal komisch an. Auf jeden Fall ist von „Weltkulturerbe“ nicht allzu viel zu sehen. Frank führt uns zwar zu dem angeblichen Schrein, der aus 4 lebensgroßen Figuren besteht. Im ganzen Dorf stehen außerdem lebensgroße Figuren vermutlich aus Holz, die verschiedene Szenen aus dem Leben Jesu darstellen. Frank erzählt uns, dass die Figuren vor langer Zeit dorthin gebracht worden wären, um der Bevölkerung, die bis zu diesem Zeitpunkt an Geister glaubte, Jesus bekannt zu machen – coole Idee =). Doch die eigentliche Attraktion sind wir. Die Dorfbewohner starren uns an als hätten sie noch nie Weiße gesehen.
Am Samstag gehen wir dann schon um 6.30 Uhr los zur Mine. Dort wird uns dann aber gesagt, dass es heute auch keine Führung gäbe und wir uns hätten schon ein paar Tage vorher anmelden müssen – dumm gelaufen =(.
Also sitzen wir schon um 7.15 Uhr im Trotro zurück nach Kumasi.
Am Sonntag wollen wir dann theoretisch um 7.30 Uhr zur ’English Assembly’ der Kirche. Blöd nur, dass es um 7 Uhr anfängt zu regnen und wenn es regnet verlässt in Ghana keiner das Haus. Mein Gastvater erklärt mir: „If God wants us to pray in church today, he will stop the rain!“ 😀 das ist ja mal ne Einstellung…
Es hört leider erst um 8.30 Uhr auf zu regnen und da der Gottesdienst nur bis 9 Uhr geht, gehen wir jetzt nicht mehr. Eigentlich hieß es dann wir gingen zur ’Twi-Assembly’ um 10 Uhr. Doch da es dann wieder anfängt zu regnen, macht keiner Anstalten zu gehen. Also heute kein Gottesdienst.
Am Sonntagnachmittag verlassen uns dann zwei meiner Gastgeschwister Battista und Apos, da sie von nun an in Kumasi studieren werden. Doch es gibt seit gestern ein neues Gesicht hier: Christiana, auch eine Nichte, die hier bis Oktober oder November wohnen wird. Wir wohnen jetzt hier also im Moment zu sechst.
Seit Montag ist die Schule nun etwas interessanter. Ich setze mich mittlerweile einfach nach jeder Französisch-Stunde zu einem anderen Lehrer-Grüppchen, das gerade auch nichts zu tun hat, und dann reden wir, ’teachen’ sie mich Twi oder ich sie deutsch und so ist es ganz witzig und die Zeit vergeht nicht mehr ganz so langsam. Außerdem haben wir heute (Dienstag) 28 Französisch-Bücher gefunden, die zudem noch brauchbar sind. So kann ich jetzt meine Form 1 sogar MIT Büchern unterrichten =). Normalerweise haben die Schüler für kein einziges Fach ein Buch. Der Lehrer hat jeweils eins, und das war’s dann auch schon. Wenn sie ein Buch haben wollen müssen sie es sich auf dem Markt oder irgendwo anders selber kaufen. Also ist der „Klassensatz“ (zumindest reicht es wenn 2 Schüler zusammen in ein Buch schauen) French-Books eine echte Ausnahme!

Ich hoffe euch geht’s auch gut?!?!?
Bin in Gedanken oft bei euch =)

Eure Anja

Erster Unterricht + erster Ausflug =)

So, es ist mal wieder an der Zeit für einen Blogeintrag 😉
Vor einer Woche hätte eigentlich der Unterricht beginnen sollen. Doch in Wirklichkeit wird in der Junior High School (JHS) erst seit Donnerstag unterrichtet und das auch nur mit einem halb-improvisierten bzw. noch nicht vorhandenen Stundenplan. Das heißt manchmal hat eine Klasse „richtig“ Unterricht und es ist auch ihr Lehrer im Klassenzimmer, doch meistens sitzen sie einfach nur so im Klassenzimmer und tun nichts, weil der Lehrer einfach nicht kommt. Mich erstaunt, dass es trotzdem verhältnismäßig ruhig ist im Schulhaus.
Zum Glück verläuft der Unterricht der Primary School etwas geordneter. Dort gibt es schon seit Montag Stundenpläne für jede Klasse und es wird auch nach diesem unterrichtet. So kann ich zumindest dort beim Unterrichten zuschauen und ein bisschen helfen. Am Mittwoch verbringe ich fast den ganzen Schultag in einer der beiden 6. Klassen (Grundschule geht hier bis zur 6. Klasse) und erlebe so Englisch, I.C.T. (Computer…) und Mathe. Entsetzt bin ich, dass es hier normal ist die Kinder mit einem Stock zu schlagen. In Mathe halte ich es fast nicht aus es mit anzuschauen. Die Schüler müssen einzeln jeweils eine Aufgabe des kleinen Einmaleins rechnen und für jedes falsche Ergebnis gibt’s zwei Schläge mit dem Stock auf die Hand. Die Kinder zittern so vor Angst, dass sie sich gar nicht konzentrieren und überlegen können und die unlogischsten Antworten geben.
Traurig ist, dass die Kinder hier so an die Schläge gewöhnt sind, dass sie sich in der Pause, wenn ihnen was an ihren Mitschülern nicht passt, auch den Stock schnappen und sich gegenseitig damit schlagen.
Den Donnerstag verbringe ich dann größtenteils in einer dritten Klasse, weil die Lehrerin unbedingt möchte, dass ich ihren Unterricht besuche :D. Die Klasse besteht aus 60! Schülern, die zusammengepfercht sind in einem viel zu kleinen Klassenzimmer, das zudem noch mangels genügend Fenster dunkel ist und zahlreiche Löcher im Wellblechdach hat. Später erzählt mir die Lehrerin dann, dass sie 8 Jahre in Großbritannien gelebt und unterrichtet hat. „We don’t care about the children in Ghana!“, sagt sie immer wieder und meint damit, dass das ganze Schulumfeld nicht dazu da ist die Kinder beim Lernen zu unterstützen, sondern dass es sie eher noch davon abhält lernen zu können. So sind die Klassen viel zu groß um sich um den einzelnen Schüler kümmern zu können, der Raum viel zu eng und noch dazu wird das Essen, das die Kids um kurz vor 12 essen, schon um ca. halb 10 geliefert – ist also kalt und zudem noch viel zu wenig, als das davon 60 Kinder satt werden könnten. Sie erzählt mir, dass sie sich immer wieder dafür einsetzt, dass sich an der derzeitigen Situation etwas ändert, doch sobald man Missstände anspricht wird man zum Buh-Mann und verändert wird trotzdem nichts. Ich weiß gar nicht was ich sagen soll, denn eine ghanaische Lehrerin, die sich so offensichtlich um das Wohl der Kids bemüht, ist mir bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht begegnet – ich bin positiv überrascht =)
Um 11.30 Uhr werde ich dann von einer Schülerin abgeholt (die Lehrer schicken hier für alles ihre Schüler), da mich meine Gastmutter holen lässt, weil alle Lehrer der JHS nun ein ’Meeting’ haben. Dort werden die Probleme der Schule diskutiert und nach möglichen Lösungsvorschlägen gesucht. Angeblich hat die Schule einen relativ schlechten Ruf, da sie die einzige staatliche Schule in Tanoso ist und auf eine staatliche Schule nur die gehen, die zu ’dumm’ oder zu arm sind für eine Privatschule. Nach 3 einhalb Stunden ’staff meeting’ sind dann endlich alle Probleme angesprochen und die Lehrer auf die einzelnen Fächer der Klassen verteilt (und das 2 Wochen nach Schulbeginn :D..) Komisch ist nur, dass wir insgesamt 24 Lehrer/innen für 3 Klassenstufen und insgesamt 9 Klassen sind und so manchen (aus welchen Gründen auch immer) kein Fach zugeteilt wird. Da die JHS zur Zeit keinen ’French teacher’ hat, werde ich diese Aufgabe nun erstmal für die Klassen der Form 1 und 2 (entspricht 7. und 8. Klasse) übernehmen, bis die Rektorin einen Lehrer findet. Und da wir in Ghana sind, wird das bestimmt nicht so schnell geschehen ;-).
Am Freitag gebe ich dann meinen ersten Französich-Unterricht. Ganz schön tricky eine Fremdsprache (Französisch) auf einer anderen (Englisch) zu unterrichten. Noch dazu sagt der improvisierte Stundenplan, dass ich heute insgesamt 4 Schulstunden (also zwei Stunden) in der gleichen Klasse Französisch unterrichten soll. Mein Plan erstmal viel mündlich zu machen geht leider nicht auf, da es die Schüler hier nicht gewöhnt sind, irgendwas eigenständig zu machen oder dass es während des Unterrichts erlaubt ist mit seinem Banknachbar zu reden. Mein Englisch verstehen sie auch nicht wirklich, so wird zwar auf jede meiner Fragen mit „Yes, Madame!“ geantwortet, doch verstanden haben sie meist erst auf’s dritte Mal, was ich von ihnen möchte. Ich bin gespannt, ob ich sie innerhalb der nächsten 6 Monate dazu bewegt kriege, selber zu denken und eigenständig etwas zu erarbeiten, denn hier wird fast ausschließlich frontal unterrichtet. Heißt: der Lehrer steht vorne, schreibt etwas an die Tafel, das dann abgeschrieben wird, dann fragt er eine Frage, auf die der Schüler exakt das antwortet, was an der Tafel steht und dann fragt der Lehrer ob alles klar ist und die Schüler schreien „Yes, Sir/Madame!“.
Am Samstag hatten wir (Carmen, Jenny, 2x Lisa und ich) geplant zum Bosumtwi-See zu gehen und dort den Tag zu verbringen. Der Wasserpegel des Sees stieg jahrelang an und überschwemmte viele Dörfer, obwohl es weder einen Ab- noch einen Zufluss gibt. Scheinbar ist er durch einen Meteoriteneinschlag vor ca. 1 Mio. Jahren entstanden.
Um 7.30 Uhr bin ich also losgelaufen in Richtung Denchemouso zu den anderen. Noch brauche ich 20 Minuten von meiner Gastfamilie nach Denchemouso, aber ich bin optimistisch, dass ich irgendwann noch einen kürzeren Weg finde (probiere jedes Mal einen neuen Weg aus). Wir fahren also nach Kumasi, wo wir ewig den Platz suchen, wo das Tro-Tro nach Abono (Städtchen am See) losfahren soll. Wir fragen uns durch und kommen schließlich an den richtigen Platz, wo aber schon eine Schlange von ca. 30 Leuten wartet, die alle auch noch Abono wollen. Bis um 10.30 Uhr passiert erstmal gar nichts. Die Schlange wird nicht kürzer und von dem Tro-Tro fehlt auch jede Spur. Dann geht plötzlich alles ganz schnell. Dank einer sehr netten Ghanaerin rennen wir zu einem anderen Platz, da dort anscheinend ein Tro-Tro nach Abono losfahren soll. Und tatsächlich erwartet uns ein leeres Tro-Tro. Nach eineinhalbstündiger Fahrt erreichen wir dann endlich unser Ziel: Abono am Lake Bosumtwi. Dort werden wir nun erstmal in die ’Office’ geschickt, wo wir uns in ein Besucherbuch eintragen sollen und uns einiges über den See und seine Geschichte erzählt wird. Mit der Ausrede (die aber wahr war) auf’s Klo zu müssen, konnten wir dann letztendlich entkommen. Kurz darauf wurden wir aber schon wieder aufgehalten, denn einer meinte, wir müssten unbedingt 10 Cedi für irgendein Projekt spenden. Erst nachdem Jenny ihm klargemacht hat, dass spenden FREIWILLIG ist und es nicht besonders freundlich ist, Touristen zu zwingen Geld für alles zu zahlen, entschuldigt er sich und lässt uns ziehen. Wir finden ein nettes Plätzchen am Strand eines Hotels und dort verweilen wir dann bis 16 Uhr. Blöderweise müssen wir auf der Rückfahrt sowohl in Kuntanase (Ort in der Nähe des Sees), als auch in Kumasi jeweils 1 Stunde auf ein Tro-Tro warten. In Kumasi entscheide ich mich dann nicht mehr mit den anderen nach Denchemouso zu fahren, weil ich sonst im Dunkeln allein 20 Minuten nach Hause laufen müsste, sondern das erste Mal allein, als einziger ’Obruni’ im Tro-Tro, direkt nach Tanoso zu fahren. Also stelle ich mich in die Schlange für das Tro-Tro nach Tanoso, die aus mindestens 40 Leuten besteht, und warte. Irgendwann erklärt mir ein Ghanaer, dass die Schlange eigentlich keine Funktion hat, denn hier kommt der Stärkere zuerst dran und nicht der Vorderste. Nach einstündiger Wartezeit und nachdem sich zahlreiche Ghanaer „vorgedrängelt“ haben, also „stärker“ waren als ich ;-), kämpfe ich mich dann durch (bzw. werde in ein Tro-Tro geschoben und gedrückt) und ergattere einen Platz. Ich bin entsetzt mit welcher Brutalität hier vorgegangen wird. Auf dem Weg zum Tro-Tro wird eine Frau umgerannt, aber anstatt ihr wieder aufzuhelfen, wird sie einfach liegen gelassen, um ja noch einen Platz erkämpfen zu können. Gott sei Dank komme ich um 20.30 Uhr ohne weitere Zwischenfälle in Tanoso an. Meine Gastfamilie erwartet mich schon, ich bekomme eine Portion Spaghetti mit angebratenen Karotten, Zwiebeln, Paprika und Würstchen und erzähle von meinen heutigen Erlebnissen.
Am Sonntag war ich dann das erste Mal in der ’English Assembly’ der Kirche meiner Gastfamilie, aber davon erzähle ich euch ein anderes Mal 😉

Seid ganz <3-lich gegrüßt
Eure Anja

P.s.: Leider gestaltet sich das Fotografieren noch etwas schwierig, da die meisten Menschen hier nicht auf Bildern sein möchten, da sie nicht wollen, dass man sich in Deutschland über sie und ihre ärmeren Lebensverhältnisse lustig macht… So habe ich bisher fast nur Bilder ohne Menschen…